Die Indianer verstehen sich seit je auf Heilpflanzen und den Umgang damit. Das betrifft auch Cranberrys, diese säuerlich-süssen Beeren. Medizinmänner wuschen Wunden jeweils mit deren Saft aus und bereiteten Umschläge zu, um das Gift aus Pfeilwunden zu ziehen. Ausserdem schätzten sie den hohen Nährwert der Cranberrys, welche übrigens Verwandte unserer Preiselbeeren sind. Die leuchtend roten Beeren besitzen, neben anderen positiven Eigenschaften, viel Vitamin C.
Die Indianer waren es auch, welche den neu ankommenden europäischen Siedlern vor bald 400 Jahren zeigten, wie man von einheimischem Wild und Pflanzen leben konnte. Denn die Pilgrim Fathers, welche 1620 an der Küste von Cape Cod in Neuengland landeten, waren dem Hungertod nahe. Cranberrys halfen ihnen über die härtesten Zeiten hinweg. Nach dem ersten harten Jahr bereiteten die Siedler deshalb zusammen mit den Indianern ein grosses Festmahl. Dazu gehörten wilder Truthahn, Kürbis, Maisbrot – und Cranberrys. Das war die Geburt des ersten amerikanischen Erntedankfestes.
Cranberrys brauchen Wasser.
Cranberrys haben spezielle Bedürfnisse
Heute wird der Grossteil der grossfruchtigen Moos- oder Kranichbeere – wie Cranberrys auch genannt werden - in den nördlichen Bundesstaaten der USA und in Kanada angebaut, unter anderem im Gebiet von Cape Cod in Neuengland. Sie wachsen nur auf sauren, sandigen Böden, die ausreichend durchfeuchtet sind: an niedrigen Sträuchern in Torf- oder Moorgegenden. Weil die Sträucher für ihr Wachstum wie auch für die Ernte und als Frostschutz viel Wasser brauchen, wird die Anbaufläche von gewaltigen Mengen Wasser umgeben.
Seen aus Millionen Beeren.
Rote Seen, so weit das Auge reicht
Geerntet wird alljährlich zwischen September und November. Während dieser Zeit ähneln die Anbauflächen riesigen roten Seen aus Millionen von schwimmenden Beeren. Denn die Sträucher werden in Fussballfeld-grossen Feldern, sogenannten Blogs, angepflanzt und anschliessend geflutet. Spezial-Traktoren rütteln und schütteln danach die Beeren von den Sträuchern, und dank ihrer Leichtigkeit schwimmen diese auf dem Wasser. Ein gewaltiger Anblick!
Reinigung der Cranberrys.
Beeren-Staubsauger kommen zum Einsatz
Auf den Feldern werden die Beeren mit Schlauchbarrieren zusammengeschoben und anschliessend mit einer grossen Maschine abgesogen. Das verbliebene Wasser in den Blogs wird nach Beendigung der Ernte in ein Reservoir oder in den nächstgelegenen Blog weitergeleitet. Per Truck gehts mit den frischen Beeren zur ersten Reinigung und Selektion in eine (Verarbeitungs-)Zentrale - wie hier im Ort Carver in der Nähe von Cape Cod.
Knifflige Handarbeit ist nötig.
Weiterverarbeitung
Cranberrys werden auf verschiedenste Weise weiterverarbeitet. Handverlesene Cranberrys werden in transparente Plastiktüten verpackt und gelangen zwischen Oktober und Dezember frisch in den Handel. Man verwendet sie zum Backen oder für Saucen zu Wild- und Geflügelgerichten. Cranberrys können auch getrocknet und anschliessend gesüsst werden. Teils werden sie sogar zusätzlich aromatisiert. In Nordamerika verarbeitet man die Beeren hauptsächlich zu Kompott, Saucen oder Fruchtsäften sowie als Zutat für Mixgetränke.
Cranberrys sind grösser als Preiselbeeren.
Informationen
Cranberry-Produkte sind in verschiedener Form in Lebensmittelgeschäften und Drogerien erhältlich; ganz frisch kann man sie nur im Spätherbst kaufen. Aufgrund ihrer positiven Wirkung auf Harn- und Blasenwege werden Fruchtsäfte mit Cranberrys besonders geschätzt.