Wer kennt sie nicht? Wer hat sie nicht schon genussvollst zerbissen und dann langsam «gschlotzt», oder wenn Sie wollen: im Munde zergehen lassen? Zuvor aber mussten die vom Osterhasen versteckten glänzigen Eili gesucht werden. Verpackt sind sie jedoch nicht etwa in profanen Säckli, sondern in wunderbaren Blecheiern, bei deren Schütteln einem schon das Wasser im Munde zusammenläuft …
Dieses Sujet wurde in den 60er Jahren gemalt und zeigt den Hasen auf einer Original-Vespa aus dem Jahr 1946.
Blechhase und Co.
Diese Blecheier sind eine echte Schweizer Erfindung. Der Begründer der Dosenfabrik Siegrist in Bern, später Liebefeld, kreierte zusammen mit seinen Mitarbeitenden die Eiervorlagen. Die Firma stellte die Weissblecheier ab 1923 mit eigens dafür erfundenen Werkzeugen her. Im Jahr 2000 stiegen die Metallkosten dermassen, dass sich die Produktion nicht mehr rentierte und die Firma aufgeben musste. Bis 2004 produzierte die Firma BMW-Vogel, heute CROWN VOGEL AG, im basellandschaftlichen Aesch die Blecheier selber, doch dann musste mit der Herstellung aus Preisgründen nach China ausgewichen werden. Aber die Firma hat die Eier immer noch im Sortiment. Und so ist uns wenigstens diese Tradition erhalten geblieben.
Erhitzter Zucker wird auf einen Spezialtisch ausgegossen.
Am Anfang ist der Zucker
Produziert werden diese kleinen, ovalen Freudebringer in Othmarsingen bei der Firma Disch. Zerbissen und genossen sind die farbigen Zuckereili rasch, deren Herstellung ist jedoch ein langer und aufwändiger Prozess. Er beginnt mit dem heissen Zucker, Glukose und Traubenzucker. Die ausgegossene Masse wird unter Beigabe von Zitronensäure geknetet, dann maschinell gezogen. Dadurch wird sie weiss. In einer Spezialmaschine wird die sogenannte Toffee-Masse zu tablettenähnlichen Formen geprägt. Danach werden die Kanten, die sich durch die Prägung ergeben, in einem mit Löchern durchsetzten und sich drehenden runden Behälter abgeschliffen.
Die weissen Zuckereili bekommen Farbe.
Von weiss zu farbig
Nun werden die weissen Eierkerne in drehenden Kesseln mit einer flüssigen Zucker-, Aroma- und Farbmischung begossen. Durch das Wenden werden sie rundum farbig, und der zusätzlich beigemischte Kristallzucker klebt an der feuchten Farbe. Dieses Prozedere wird mehrmals wiederholt, bis sich eine feste, farbige Zucker-Aussenhülle bildet.
Nun glänzen sie und warten auf die Verpackung.
Glanz und Gloria
Damit der innere Teil der Eierkerne nicht hart, sondern kaubar wird, werden sie in einem Spezialofen fünf Stunden lang bei 50 Grad erhitzt und zum Abschluss in einem weiteren, runden, sich drehenden Behälter unter Zugabe von Gummi arabikum, Talkpulver und Cabanua-Wachs glänzend gemacht.
Blecheier-Schütteln, bevor sie genossen werden.
Ei, Ei, Ei
Die farbigen Eier werden in einer Behindertenwerkstatt im aargauischen Oberentfelden liebevoll eingefüllt und warten freudig auf die vielen Kinder und Erwachsenen …
Schweizer Erfindung und Tradition aus dem vorigen Jahrhundert.
Informationen
Hersteller der Zuckereier:
Disch AG
Sweets & Pharmaceuticals
Bahnhofstrasse 21
CH-5604 Othmarsingen
Zur Osterzeit findet man die Blech-Zuckereili bei Grosshändlern und in Fachgeschäften.
Frische Gemüse und Früchte erster Qualität findet man oft in kleinen Familienbetrieben. Italienische und türkische Einwanderer brachten ihr Wissen mit in die Schweiz.
Vorschau
Am Montag, 7. April 2008, wird das al dente Team im Rahmen des Themas Integration Neues und Appetitliches aus anderen Küchen-Kulturen kennen lernen.
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