In Deutschland nennt man sie «Lakritze», in der Schweiz ist die herb-süsse Masse als «Bärendreck» bekannt. Dabei handelt es sich um die Wurzeln von Glycyrrhiza glabra aus der Familie der Hülsenfrüchtler. Diese Pflanzen sind in der Mittelmeerregion sowie in Westasien zuhause und mögen viel Sonne. Deshalb gedeihen sie in Kalabrien besonders gut. Dort werden Süssholzwurzeln seit Jahrhunderten im Herbst geerntet, um daraus Bärendreck-Süssigkeiten herzustellen.
Bärendreck hat viele gute Eigenschaften; er gilt als entzündungshemmend, schleim- und krampflösend. Bereits die Ägypter sollen Lakritz-Getränke zubereitet haben; später wurde Bärendreck als Durstlöscher und gegen Husten verwendet. Auch die römischen Soldaten haben jeweils Süssholzstangen mitgeführt. Aber erst vor 250 Jahren wurde Bärendreck in Mitteleuropa auch als Süssigkeit entdeckt: Im Jahr 1760 versetzte der Apotheker George Dunhill die Lakritze mit Zucker, sodass die Geburtsstunde der Bärendreck-Zältli schlug.
Kleine Dinger, grosse Wirkung.
Süssholz raspeln in Massen
So gesund und wohltuend Bärendreck auch sein mag: Er enthält den Inhaltsstoff Glycyrrhizin. Dieser kann, im Übermass genossen, zu Bluthochdruck und Kopfschmerzen führen. Es wird deshalb empfohlen, pro Tag nicht mehr als 50 Gramm Bärendreck zu essen. In einigen Ländern - vorab in Nordeuropa - wird Bärendreck auch getrunken; so schmeckt der finnische Salmiakki intensiv nach Lakritze, hat einen Alkoholgehalt von 30-40 Volumenprozent und ist so etwas wie der Nationalschnaps.
Viel Handarbeit.
Kalabrien: Sonne, Süsse und Bärendreck
In Italien ist Kalabrien führend in der Bärendreck-Produktion; eine der bekanntesten Firmen ist Amarelli, ein Familienunternehmen in Rossano Scala an der ionischen Küste. Hier werden die Süssholzwurzeln aus der Region ganzjährig verarbeitet. Zuerst wird mittels Wasserdampf der Saft extrahiert und dann in einem aufwändigen Verfahren stundenlang eingekocht. So lange, bis eine zähe, dickflüssige Masse entsteht. Noch ist vieles Handarbeit, das heisst, die schwere Masse muss mit grossen Schaufeln aus den Kesseln gehoben werden.
Wasserdampf gibt Glanz.
Der letzte Schliff
Nach dem Abkühlen werden weitere Aromen wie etwa Anis oder Pfefferminz zugefügt. Die Masse wird sodann in Form von langen Würsten über Förderbänder transportiert und anschliessend maschinell in kleine Stückchen geschnitten oder vielmehr gestanzt. Damit erhalten die Zältli ihre endgültige Form. Damit die Dragees appetitlich glänzen, werden sie kurz mit Wasserdampf eingesprüht. Erst jetzt heisst es ab in die Schachtel - und bereit gemacht zum Verkauf.
Bärendreck-Produkte.
Ferien und Bärendreck in Kalabrien
Bärendreck-Produkte:
Gibts frisch ab Fabrik direkt bei Amarelli - von Zältli über Bärendreck-Brioches und -Grappa bis zu Bärendreck-Glace. Infos: C.da Amarelli ss 106, Rossano (CS), amarelli@amarelli.it www.amarelli.it
Übernachten:
Agriturismo Le Colline del Gelso
Contrada Gelso Mazzei,
Rossano (Cosenza)
DZ ab 45 Euro/Pers. Infos: Tel. +39 983/569136 oder +39 335/5366452 info@lecollinedelgelso.it www.lecollinedelgelso.it
Flüge: Helvetic fliegt 2-4 Mal wöchentlich von Zürich nach Lamezia Terme, von dort sind es ca. 150 Kilometer (2 Std.) nach Rossano. Infos: Helvetic Airways AG, Postfach 250, 8058 Zürich Flughafen, Tel. 043 557 90 99 info@helvetic.com www.helvetic.com
Soja: Die Bohnen, aus dem Bio-Tofu hergestellt wird.
Vorschau
Am Montag, 19. Mai 2008, will das al dente Filmteam herausfinden, wie aus Sojabohnen Bio-Tofu entsteht.
In unserem Filmarchiv finden Sie Informationen zu früheren Filmbeiträgen.