Alles spricht von Bio: Biologisch produzierte Lebensmittel sind in, Bio-Weine ebenso. Hobbygärtner träumen vom Biotop im Garten und Naturfans vielleicht von einem Ausflug in ein Biosphären-Reservat ...
Aber was bedeutet das kompliziert klingende Wort Biodiversität, von dem immer häufiger die Rede ist? Und inwiefern beeinflusst Biodiversität unsere Ernährung?
Mit Biodiversität ist - ganz einfach! - die Vielfalt von Lebensräumen, Tieren, Pflanzen, Rassen und Sorten gemeint. Je grösser diese biologische Vielfalt ist, desto wohler fühlen sich Tiere, Pflanzen - und letztlich auch wir Menschen. Zum Beispiel in Bezug auf Lebensmittel. Die Schweiz gilt heute als einer der am weitesten entwickelten Bio-Märkte Europas, und bereits 11 Prozent aller Bauern haben sich der Bio-Landwirtschaft verschrieben. Ihr aller Leitgedanke: das Wirtschaften im Einklang mit der Natur.
Knospe-Bauer Paul Nussbaumer packt an.
Sogar Unkraut ist wichtig und richtig
Knospe-Betriebe wie der Schürhof von Paul und Therese Nussbaumer in Aesch BL setzen auf Nachhaltigkeit. Natürliche Lebensprozesse sollen gefördert und Stoffkreisläufe wo immer möglich geschlossen werden. So verzichten Knospe-Bauern auf synthetische Pestizide, Herbizide und Düngemittel, um die natürlichen Abwehrkräfte von Tieren und Pflanzen zu stärken. Und indem sie auf ihren Feldern bewusst Hecken, Holzstösse und Steinhaufen platzieren, schaffen sie zudem willkommene Versteck-, Futter- und Überwinterungsmöglichkeiten für Insekten, Reptilien und Vögel. Sogar Unkraut gehört zum Bio-Landbau; dieses bildet einen wichtigen Lebensraum für diverse Nützlinge und schützt als Bodenbedeckung gleichzeitig die Humusschicht.
Steinkauz: vom Aussterben bedroht.
Hochstamm-Projekte nützen Vögeln
Eine wichtige Rolle im Bio-Landbau kommt auch den Hochstamm-Obstgärten zu; diese traditionellen Obstgärten prägen unsere Landschaften seit 2000 Jahren, verschwinden aber zunehmend. Niederstamm-Intensiv-Obstanlagen versprechen grössere Erträge und sind einfacher zu bewirtschaften. Dadurch verlieren gleichzeitig viele auf Hochstämmen lebende Tier- und Pflanzenarten ihr Zuhause.
So etwa der Steinkauz; bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war diese Eulenart typisch für siedlungsnahe offene Landschaften mit Bäumen. Inzwischen ist der Steinkauz schweizweit vom Aussterben bedroht und hat diverse Regionen wie etwa das Baselbiet bereits ganz verlassen.
Lukas Merkelbach kontrolliert eine Brutröhre.
Das Projekt Steinkauz & Co
Mit dem Projekt Steinkauz & Co versucht der Schweizer Vogelschutz, diese kleine, kurzschwänzige Eulenart hierzulande wieder heimisch zu machen. Dieses Artenförderungsprogramm setzt spezielle Fördermassnahmen für gefährdete Vogelarten wie Wiedehopf, Wendehals, Gartenrotschwanz, aber auch andere Tierarten wie Zauneidechse oder Heuschrecken um. Dazu gehört auch das Platzieren von Brutröhren in Hochstamm-Obstgärten, wie es Lukas Merkelbach (Bild), Koordinator des Steinkauz-Projekts, etwa auf dem Schürhof bei Knospe-Bauer Paul Nussbaumer macht.
Baumnusspesto: köstliche Hilfe für Knospe-Bauern.
Wie helfen?
Mit dem Kauf von hochwertigen Hochstamm-Produkten aus dem Steinkauz-Projekt können Konsumenten beteiligte Knospe-Landwirte finanziell unterstützen. Die Produktpalette ist gross; sie umfasst von Baumnusspesto über Quittenmost und Birnensaft bis zu Kirschenessig vielerlei kulinarische Köstlichkeiten. Und davon profitieren letztlich wiederum alle: Menschen, Tiere und Pflanzen. Biodiversität macht also allen Appetit ...
Gross und Klein ist für die Biodiversität im Einsatz.
Bezugsquellen und Info-Adressen
BIO SUISSE
Vereinigung Schweizer Biolandbau-Organisationen
Margarethenstrasse 87
4053 Basel
Die dunkelhaarigen Wasserbüffel sehen mit ihren Hörnern etwas gfürchig aus. Gefährlich sind sie aber nicht.
Vorschau
Ein Menü für heisse Tage und Ferien für den Gaumen verspricht unsere nächste al dente Sendung. Beim al dente Sommermenü spielt auch Büffelmozzarella eine Rolle. Der italienische Frischkäse ist bei den Schweizern sehr beliebt und wird mittlerweile auch hierzulande produziert. al dente besucht einen Bio-Hof in Rotkreuz, wo Wasserbüffel die Milch für einen schmackhaften Schweizer Mozzarella liefern.
Mehr dazu in der nächsten Sendung am Montag, 28. Juni, SF 1.
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