Hopfen wächst am sogenannten Rankengerüst bis zu acht Meter in die Höhe. Das von den Mönchen - wie so vieles - erfundene Bier wurde von ihnen deshalb mit Hopfen angereichert, weil er den gelben Trank haltbarer macht. Vor allem im milden Bodenseeraum war Bierbrauen in Klöstern weit verbreitet und ebenso der Hopfenanbau. Auch die Kartause Ittingen im Thurgau gehörte dazu - und man hat diese Tradition vor einiger Zeit wieder aufgenommen.
Zwischen zwei und drei Zentimeter gross sind die Hopfenblüten.
Die Blüte fürs Bier
Die Ranken wachsen schnell: «In siebzig Tagen sieben Meter», so ist die Formel bei besten Klimabedingungen. Das sind oft bis zu dreissig Zentimeter Wachstum pro Tag. Für die Bierherstellung wird aber nur die weibliche, unbefruchtete Hopfenblüte verwendet, die sogenannte Dolde. Sie enthält Harzdrüsen, Bitterstoffe und das aromatische Hopfenöl, das sich im Blütenstaub befindet. Hopfenöl ist ein ätherisches Öl, das vermutlich aus über 2000 verschiedenen chemischen Verbindungen besteht. Es gibt dem Hopfen das charakteristische Aroma.
Hopfen in Pellet-Form.
Gepresst und getrocknet
Hopfen ist ein Gewürz. Seine Wirkung im Bier lässt sich etwa mit Safran im Reis vergleichen - wenig reicht aus, die Wirkung ist gross: Ein paar hundert Gramm reichen aus, um dem Bier Glanz zu verleihen, und es hat Auswirkungen auf die Eiweissausscheidung, den Schaum und den Geschmack, weil erst der Hopfen dem ursprünglich faden Gerstengetränk das wunderbare Aroma verleiht. Heute verwenden die Brauereien den Hopfen in Form von sogenannten Pellets, also gepresst und getrocknet.
Einer der beiden Sudkessel bzw. Braupfannen.
Malz, Gott erhalts
Neben dem Hopfen ist Malz ein wichtiger Faktor beim Brauen. Malz, das sind die zuerst feucht gemachten und dann getrockneten Gerstenkörner. Bei verschiedenen Temperaturen baut der Brauer im Sudhaus die Malzstärke in Zucker ab. Ein eminent wichtiger Prozess bei der Bierherstellung. Der faszinierende Vorgang des Bierbrauens vom Mälzen über das Maischen und Läutern bis zur Gärung und Reifung ist lang und zu kompliziert, um ihn in zwei, drei Sätzen darlegen zu können. Im Internet gibt es aber interessante Seiten, und Bücher darüber finden sich zuhauf.
Sudhaus im Restaurant Brauhaus.
Brauerei zum Hingucken
Im Restaurant Brauhaus Sternen in Frauenfeld kann man in gemütlichem Beizen-Ambiete zuschauen, wie Braumeister Christoph Hardebusch verschiedenste Biere im Sudhaus braut, und einen Brauereirundgang machen. Seit Jahrhunderten wird in diesen Mauern gebraut, das Brauhaus hat Biergeschichte geschrieben: Es hat als erstes Brauhaus mit echtem Amberbier den Namen der Kartause Ittingen in die ganze Schweiz getragen und gilt als Vorbild für viele kleine Brauereien. Auch das erste Schweizer Hefeweissbier oder die ersten Zwickelbiere, die ersten «Schneeflöckli»-Gewürzbiere mit Zimt und Ingwer und viele mehr wurden in Frauenfeld kreiert. Heute hat sich das Haus auf ausgefallene Biersorten spezialisiert, wie etwa Schwarzbier, Honigbier, Barley Wine oder Choco Stout.
Nach dem Läutern (Klären) wird der Biertrester u.a. in der Bäckerei zu Malzschrot-Bagles verarbeitet.
Frauenpower
Dies sei doch noch bemerkt: In der Geschichte des Biers spielen zwar die Klosterbrauereien eine bedeutende Rolle, aber es gab und gibt ja auch Nonnenklöster. Nicht etwa ein Abt hat sich als erster wissenschaftlich über die Brauereikunst ausgelassen, sondern die Äbtissin Hildegard von Bingen. Die Benediktinerin lebte von 1098 bis 1179. Sie wurde also 81 Jahre alt, ein schier unglaublich hohes Alter für die damalige Zeit. Möglicherweise hatte das Bier, von dem sie viel verstand, etwas damit zu tun ... Immer mehr interessieren sich Leute fürs Bierbrauen. Und bereits gibt es einige Internetseiten zum Thema «Selber brauen». Hier zwei Vorschläge: