Österreich ist bekannt für Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn. In unserem Nachbarland gibt es aber noch viele andere Köstlichkeiten zu entdecken. Passend zur Saison servieren wir Ihnen frühsommerlich leichte Schmankerln - und zum heissen Fussballmatch gibts ein kühles Helles aus einer der zahlreichen Brauereien Österreichs!
Österreichs multikulturelle Küche: Das berühmte Wiener Schnitzel wurde wahrscheinlich aus Italien importiert.
Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn
Unser Nachbarland Österreich grenzt an kulturell so unterschiedliche Länder wie Italien, Deutschland, Tschechien und Ungarn. So hat auch die österreichische Küche Einflüsse aus allen Himmelsrichtungen erfahren: Was wir als «typisch österreichisch» bezeichnen, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als multikulturell europäisch - genau richtig für die EM!
Das berühmte Wiener Schnitzel beispielsweise ist wahrscheinlich eine Nachahmung der Piccata Milanese aus Norditalien, und das Wiener Saftgulasch hat man während der «k. u. k.» Österreichisch-Ungarischen Monarchie kurzerhand den Ungarn abgeschaut. In Wien schwangen böhmische Köchinnen die Kelle; die tüchtigen Frauen brachten feine Rezepte für Mehlspeisen aus ihrer Heimat mit - eines dieser Gerichte erlangte Berühmtheit: Der Kaiserschmarrn wurde am Hof des Kaisers Franz Joseph I. kreiert; um die genaue Entstehung ranken sich jedoch zahlreiche Legenden. Kaum zu glauben, dass Kaiserin «Sisi» Elisabeth die luftig-süsse Eierspeise gar nicht gemocht haben soll!
Die Badesaison rückt näher, deshalb tun wirs Sisi gleich und verzichten auf den üppigen Kaiserschmarrn. Schliesslich gibt es neben deftigen Spezialitäten auch sommerlich leichte Genüsse aus Österreich. Märchenhaft klingende Zutaten wie «Paradeiser» erfreuen den Gaumen und erfrischen das Gemüt. Dabei handelt es sich bei der Paradiesfrucht um ganz gewöhnliche Tomaten!
Für ein frühsommerlich leichtes Buffet oder für das TV-Dinner zum spannenden EM-Spiel eignet sich eine kalte Tomatensuppe vorzüglich. Gerade für Fussballfans ist der Genuss von Tomaten sehr empfehlenswert, denn Forscher sind sich einig: Tomaten helfen, einem Herzinfarkt vorzubeugen und halten geistig frisch!
Ob kalt oder warm serviert: Der Tafelspitz schmeckt kaiserlich gut.
Geiz ist kaiserlich: Tafelspitz
Der Tafelspitz ist ein österreichisches Fleischgericht, das am ehesten mit unserem Siedfleisch vergleichbar ist. Seine Popularität verdankt er Kaiser Franz Joseph I., der ziemlich geizig und kulinarisch nicht besonders wählerisch gewesen sein soll. Deshalb bevorzugte er anstelle des teuren Rindsfilets das billigere Eckstück.
Der Tafelspitz ist auch die österreichische Bezeichnung für das Fleischstück an sich, dem Huftdeckel. Gemeint ist damit das Schwanz-Eckstück mit flach zulaufender Spitze vom Rind. Das magere, hochwertige Fleisch wird angebraten und dann im Gemüsesud während 3½ bis 4 Stunden langsam gegart. Es wird mit einer Meerrettich-Apfel-Sauce, dem Apfelkren, serviert.
Geiziger Kaiser hin oder her: Wie Siedfleisch kann auch Tafelspitz, fein geschnitten, kalt als Salat an einer leichten Vinaigrette serviert werden. Ein wahrhaft kaiserliches Znacht!
Im schweizerischen Sprachgebrauch meinen wir mit Paprika feurig scharfe, rote Schoten, in Österreich (und auch in Deutschland) bezeichnet man damit aber vor allem unsere milden Peperoni. Der Begriff Paprika stammt aus dem Ungarischen, die Sprache jenes Landes, das zwischen 1867 und 1918 zusammen mit Österreich die mächtige Donaumonarchie bildete.
Solls in der österreichischen Küche wirklich feurig zu und hergehen, greift man zu den scharfen «Pfefferoni» (Peperoncini)! Da die Stimmung aber im Fussballstation und bei den Fans zu Hause vor dem TV sicher schon angeheizt ist, empfiehlt sich jetzt doch eher die mildere Variante: Für einen österreichisch angehauchten Salatsnack halbiert man eine Peperoni - passend zum Match wählt man zwischen roten, gelben, orangen oder grünen Schoten - dämpft sie kurz und füllt die Hälften mit Croutons und Kürbiskernen. Das Ganze garniert man mit Rohschinken, Eichblattsalat und Schnittlauch und serviert es mit einer sommerlichen Salatsauce.
Kürbiskerne und vor allem das Kürbiskernöl sind in Österreich sehr beliebt. Das dickflüssige dunkelgrüne Öl aus der Steiermarkt hat ein ausgeprägtes Nussaroma und eignet sich ausgezeichnet zum Verfeinern von Salaten.
Österreich ist nicht nur die Heimat des Kaiserschmarrn, sondern kennt auch unzählige feine Strudelvariationen. Der hauchdünne Strudelteig täuscht ein luftiges Dessert vor, die üppigen Füllungen und die cremigen Saucen, die man zum Strudel reicht, sind jedoch alles andere als Diätkost. Da unsere TV-Fussballfans aber mittlerweile schon ganz erschöpft sind vom Zuschauen, mögen sie einen typisch österreichischen Strudel sicher vertragen; die Füllung enthält nämlich eine weitere österreichische Spezialität: Mohnsamen.
Mohn wird in Oberösterreich und vor allem im Waldviertel (Niederösterreich) angebaut. Der besondere Waldviertler Graumohn ist weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt und seit 1997 mit der Ursprungsbezeichnung (g.U.) der EU geschützt. Mohn wird auch als Knödelfüllung oder sogar in Panaden für Fleisch und Fisch verwendet.
Österreich hat die höchste Brauereidichte Europas, die Biervielfalt ist überwältigend.
Bier: Österreich ist Europameister!
Zu einem österreichischen Menü müssen natürlich auch die Getränke passen. Die feinen Weine aus dem Burgenland, aus Niederösterreich oder aus der Region Wien haben mittlerweile auch den Weg in die Schweiz gefunden und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Eingefleischte Fussballfans ziehen allerdings Bier zum Spiel vor. Ein Blick auf die Biervielfalt unseres Nachbarlands lohnt sich, denn die Österreicher sind Europameister im Bierbrauen: In keinem anderen europäischen Land ist die Brauereidichte so hoch wie in Österreich!
Davon spürt man in der Schweiz leider wenig, nur vereinzelt sind hier österreichische Biere erhältlich. Die gängigsten Marken sind:
Gösser Export «Märzen», ein hellgelbes, untergäriges Vollbier www.goesser.at
Samichlaus-Bier wird einmal im Jahr am 6. Dezember gebraut und über 10 Monate gelagert, bevor es abgefüllt wird; es ist mit 14% Alkohol und 32° Stammwürze ein sehr starkes Bier. Samichlaus-Bier war ursprünglich ein Bier der Brauerei Hürlimann, die 1997 von Feldschlösschen übernommen wurde. Im Jahr 2000 erwarb die oberösterreichische Brauerei Schloss Eggenberg die Markenrechte und stellt das Bier seither wieder her. www.schlosseggenberg.at
Zipfer Urtyp, ein helles Bier mit würzigem, feinherbem Geschmack. www.zipfer.at
Der Verband der Brauereien Österreichs bietet auf seiner Website einen Überblick über die zahllosen Bierspezialitäten des Landes: www.bierserver.at
Text: Gina Graber
Marillenknödel: Ein typisch österreichisches Schmankerl.
Kleines Küchen-ABC: Von Aschanti bis Zeller
Mancher österreichische Begriff für kulinarische Köstlichkeiten kommt uns ziemlich spanisch vor. Aber umgekehrt wundern sich Deutsche und Österreicherinnen ebenso über unsere mundartlichen Spezialitäten wie Nüsslisalat (hdt.: Feldsalat) oder Rüebli (hdt.: Karotten). Ein wenig österreichisches Küchenlatein ist auf jeden Fall amüsant und bringt uns so manches Schmankerl näher: