Aprikosenzeit ist Sommerferienzeit - und wenn Sie die schönste Zeit des Jahres im Wallis verbringen, sind Sie erst noch im siebten Aprikosenhimmel! Ob frisch im Müesli, als kühles Dessert oder als Zutat für Saucen zu zartem Fleisch: Aprikosen schmecken reif herrlich süss und verleihen einer Vielzahl von Gerichten einen erfrischenden Hauch von Exotik.
Es gibt unzählige Verwendungsmöglichkeiten für Aprikosen. Am besten schmecken sie ganz reif und ganz frisch. Man kann sie aber auch in einen Fruchtsalat schnetzeln, feine Wähen damit belegen, eine Creme zum Dessert zaubern, sie zu Glace verarbeiten, in Sirup einmachen, zu Chutney einkochen, ganz leicht garen und zu einem feinen Braten servieren, mit Zucker zu Konfitüre einkochen ... doch schön der Reihe nach!
Die Aprikose wird in der Schweiz hauptsächlich im Wallis angebaut.
Die Reise aus dem Fernen Osten ins Wallis
Ursprünglich stammt die Aprikose (Prunus Armeniaca) aus China, wo sie vor etwa 4000 Jahren kultiviert wurde. Ihren Weg nach Europa fand sie über Persien und die Türkei. Es waren wahrscheinlich die Römer, welche den Aprikosenbaum im 3. und 4. Jahrhundert in den Mittelmeerraum brachten. Heute wird die Aprikose in fast allen wärmeren Klimazonen der Welt angebaut.
Ihren Namen verdankt die Aprikose den Römern: Sie nannten die Frucht «malus praecox», also «frühreifer Apfel», weil sie früh blüht und früh reift. Aus dem «praecox» entwickelte sich dann die Bezeichnung Aprikose, aber auch abricot (französisch), apricot (englisch) und albicocca (italienisch).
In der Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte die Aprikose auch ins Wallis, welches heute dank seines aussergewöhnlichen Mikroklimas eines der grössten Hauptanbaugebiete nördlich der Alpen ist. Schweizer Aprikosen sind bei uns von Juli bis Mitte September auf dem Markt. Aprikosen sollten nur vollreif geerntet und gekauft werden, sie reifen auch bei Lagerung nicht nach. Unreife Aprikosen sind hart, schmecken sauer und hinterlassen einen pelzigen Geschmack im Mund. Je reifer die Aprikose ist, desto besser lässt sich das Fruchtfleisch vom Kern lösen.
Der Klassiker: Aprikosenwähe ist beliebt bei Jung und Alt, besonders leicht gelingt sie mit der Wähen-Springform.
Wähe und Konfi - die Aprikosen-Klassiker
Eine feine Wähe mit reifen, süssen Aprikosen und einem Guss aus Eiern, Rahm und Zucker ist ein feines Dessert oder sogar ein leichtes Znacht an heissen Sommerabenden. Besonders gut gelingt die Wähe mit der praktischen Wähen-Springform und gleich 12 süsse, mundgerechte Aprikosen-Schiffli aufs Mal lassen sich mit der beliebten Schiffli-Form kreieren.
Wer die relativ kurze Aprikosen-Saison jedoch verlängern möchte, macht die süssen Früchtchen ein, am besten als Konfitüre für einen sonnigen Start in den Tag: Was gibt es Besseres als selbst gemachte Aprikosen-Konfi auf einem Stück frischen Zopf! Gibt man beim Einkochen einen Spritzer Zitronensaft oder einen Esslöffel frische, fein gehackte Verveine-Blätter zur Konfi, bekommt sie einen einen frischen, säuerlichen Hauch.
Aprikosen-Konfi ist vielseitig: Sie eignet sich sogar als Zutat für eine süss-saure Marinade für Grillabende mit asiatischem Touch!
Mit der Aprikosen-Sauce lässt sich manches sommerliche Dessert verfeinern.
Aprikosen zum Dessert
Mit Aprikosen lassen sich verführerische Desserts noch verfeinern, zum Beispiel mit einer süssen Aprikosen-Sauce. Dafür kocht man 500g reife Aprikosen mit 3-6El. Wasser, 4-6El. Rohzucker und wenig Zitronensaft bei mittlerer Hitze weich, püriert die Masse und streicht sie durch ein Sieb. Die Sauce passt ausgezeichnet zu Panna cotta, Glace, Griessköpfli oder auch zu Dampfnudeln.
Auch eingemachte Aprikosen in Zitronenmelissensirup serviert zu Himbeerglace mit Schlagrahm lassen das Herz jedes Dessert-Liebhabers höher schlagen. Und für diejenigen, die gerne süsse, selbstgemachte Kleinigkeiten verschenken, sind Aprikosen-Fruchtgummi-Bonbons oder Aprikosen-Pästli ein ideales Mitbringsel.
Die würzigen, süss-sauren Chutneys sind in der indischen Küche sehr beliebt.
Exotisches aus Aprikosen
Aprikosen werden nicht nur für süsse Versuchungen verwendet, auch für pikante Speisen haben sie den nötigen Biss. Sehr gut eignen sich Aprikosen für Chutneys, die würzigen, süss-sauren oder scharfen Saucen der indischen Küche. Dazu kocht man Aprikosen mit gehackten Zwiebeln, Sultaninen, Zucker, Essig, Koriandersamen, Senfkörnern und Nelken ein und serviert diesen Gaumenschmaus zu Samosas (indische frittierte Gemüsekrapfen), Poulet oder Lamm.
Das Poulet an Aprikosensauce, eine ungewohnte, aber sehr gelungene Kombination.
Aprikosen - ganz scharf!
Aprikosen harmonieren auch wunderbar mit Fleischgerichten. Zu kaltem Braten und Weisswürsten passt z.B. ein «Senf» aus Aprikosen, weissem Balsamico-Essig und feinen Gewürzen. So richtig feurig schmeckt ein Dip aus Aprikosen, Hot Ketchup, Olivenöl und Chili-Ringen zu Chicken-Wings oder Cevapcici. Sommerlich-leicht schmecken auch Pouletschenkel, wenn sie in einer Sauce aus Aprikosen, Zwiebeln und Marsala geschmort werden.
Wir Menschen mögen gelb-orange Farben, denn es sind die Farbstoffe von reifen, süssen und saftigen Früchten, welche auch gesunde Carotinoide enthalten. Am bekanntesten ist das Betacarotin. Es ist ein Vorvitamin, das im Körper zu Vitamin A umgewandelt werden kann. Bei Betacarotin denken wir als erstes an das Rüebli. Unter den Obstsorten enthält die Aprikose am meisten dieses Provitamins.
Die Tagesdosis für Erwachsene an Betacarotin von 2mg wird durch 130g Aprikosen (3 Stück) gedeckt. Betacarotin hat eine präventive Wirkung: Es kann vor Herz-Kreislauferkrankungen und vor Krebs schützen. Zudem stärkt es das Immunsystem. Vollreife Aprikosen enthalten wenig Säure und sind deshalb gut bekömmlich.
Die gereinigten und getrockneten Steine von Aprikosen und anderen Steinfrüchten eignen sich sehr gut zum Blindbacken von Tortenböden. Steine in siedendem Wasser ca. 5Min. auskochen, um Fruchtresten vollständig zu entfernen, anschliessend gut trocknen lassen.
Wer keine Aprikosen-Häutchen in der Konfitüre mag, kann die Konfi vor dem Einfüllen pürieren. Wichtig: Die Konfi muss vor dem Einfüllen nochmals aufgekocht werden.
Im Kühlschrank gelagert, sind Aprikosen gut eine Woche haltbar.
Einmachen ist im Trend, wir empfehlen deshalb die Aprikosen in Zitronenmelissensirup: Sie schmecken wunderbar frisch und süss und wer sie nicht selber geniessen will, kann die selbstgemachte Delikatesse auch verschenken. Die eingemachten Früchte sind eine Zutat zu den Aprikosen-Griessköpfli mit Zitronenmelissensirup, passen aber auch zu vielen anderen Desserts. Dieses Rezept und zahlreiche weitere Einmach-Ideen finden Sie im Betty Bossi Buch «Wunderbar haltbar».