Ein Sirup ohne Röhrli ist wie ein Winter ohne Schnee: unvollkommen und etwas langweilig. Der bei Kindern beliebte Trinkhalm steht aber auch bei den Grossen als witziges Party-Utensil hoch im Kurs. Ja schon die alten Ägypter schlürften ihr Bier mit einem Trinkrohr!
Ob im Milchshake oder im Sirup: Kinder mögen das Röhrli.
Kein Sirup ohne Röhrli
Egal ob an Kindergeburtstagen oder beim Familienausflug in einer lauschigen Gartenwirtschaft (ein bisschen Vorfreude auf den Sommer ist erlaubt): Der Sirup gehört einfach dazu, zum Spass der Kinder mit einem Röhrli serviert.
Das begehrte Röhrli ist heute ein Wegwerfartikel aus Kunststoff, einfarbig oder mit Linien, gerade oder mit einem biegbaren Stück. Für den mehrmaligen Gebrauch ist es aus härterem Kunststoff, oft ist im oberen Teil das Röhrchen zur Schlaufe oder zur Spirale geformt. Für Partys gibts Trinkhalme mit fantasievollen Verzierungen und sogar fluoreszierende und leuchtende Trinkhalme. Diese Halme sind mit einem sogenannten Knicklicht (chemische Leuchtstoffe) ausgestattet, das nach der Aktivierung neonfarben strahlt.
In fernen Zeiten und alten Kulturen
Gehen wir nach Übersee, stossen wir in Südamerika auf ein Getränk, das traditionellerweise mit einem Trinkhalm konsumiert wird: Mate-Tee. Das Getränk wird mit einem metallenen Saugrohr (bombilla) mit einer schaufelförmigen Verbreiterung traditionellerweise aus einem Kürbisgefäss getrunken. Die Verbreiterung ist gelöchert wie ein Sieb, so kommen keine Blattstücke ins Rohr. Die Spanier beschrieben dieses Getränk und seine Zubereitung schon im 16. Jahrhundert.
Noch weiter zurück kommt man zu den alten Ägyptern. Auf antiken Reliefs ist zu sehen, wie Bier mit langen Trinkrohren getrunken wird. Durch diese kultivierte Trinkweise wurde vermieden, dass Satz den Genuss des ungefilterten Biers beeinträchtigte. Leider ist nicht überliefert, woraus das Trinkrohr war.
Beim Cocktail ist der Strohhalm auch Verzierung.
Nicht nur zum Schlürfen
Näher bei unserem Kulturkreis und unserer Zeit ist die Erwähnung eines Strohhalms in einem Berner Kochbuch von 1834. Mit dem Strohhalm wurde beim Kochen von Apfelkompott kontrolliert, wie weich die Früchte waren.
Der eigentliche Trinkhalm wird in einem Kochbuch erwähnt, das 1903 zum ersten Mal erschien. Es ist ein Kochbuch für die niederländische Kolonie Niederländisch-Indien (Indonesien). Im Rezept «Soyer» (Champagner, Rheinwein, Wasser, Melasse, Orangenlikör, Cognac) wird erwähnt, dass dieses Getränk mit einem langen, hohlen Röhrchen geschlürft wird. Das führt zur Welt der Cocktails, genauer zu den Longdrinks, und somit in die USA.
Dank dem Knick können auch kleine Kinder ohne Verrenkungen durchs Röhrli trinken.
Das Röhrli mit dem Knick
In den USA pflegte Marvin Stone, ein Zigaretten- papierproduzent, nach der Arbeit einen Pfefferminz-Julep, einen Longdrink mit Minze, Zucker, Spirituosen (Branntwein, Weinbrand, Likör), Eis und Soda, zu trinken. Der starke Eigengeschmack des Strohhalms störte ihn immer mehr. Er wickelte Papier um einen Stift und klebte es mit Leim zusammen, der Papiertrinkhalm war erfunden. 1890 produzierte Stone bereits mehr Trinkhalme als Zigarettenpapier.
Gut 40 Jahre später beobachtete der amerikanische Erfinder Joseph B. Friedman seine kleine Tochter beim Trinken eines Milchshakes. Mit dem geraden Trinkhalm hatte sie Mühe. So nahm er den Trinkhalm, drehte eine Schraube ein und wickelte Zahnseide um die Gewinde-Einbuchtungen der Schraube. Darauf entfernte er die Schraube wieder, und die nun entstandenen Rillen ermöglichten das Biegen des Halmes. Am 28.9.1937 wurde der biegbare Trinkhalm patentiert.
Sauberes Wasser aus dem Tümpel
Eine der neusten Erfindungen ist der LifeStraw, ein Trinkrohr mit eingebautem Filtersystem zur Wasseraufbereitung.
In vielen Weltgegenden mangelt es an sauberem Trinkwasser. Das Wasser in Flüssen und Tümpeln enthält oft Bakterien, die Durchfallerkrankungen auslösen. Mit dem Trinkrohr LifeStraw, es ist gut 25cm lang, drei Zentimeter dick und 100 Gramm schwer, kann dieses Wasser getrunken werden.
Der LifeStraw besteht aus einer Kombination von Filtern und Kammern. Wird das Wasser angesaugt, entfernt ein zweistufiges textiles Filtersystem Sedimente, Schwebeteilchen und Bakterienverklumpungen. Verschiedene Materialien wie Harz, Jod und Aktivkohle-Granulat wirken desinfizierend, halten Bakterien, Viren und Parasiten zurück und töten sie ab. Teste im Labor ergeben eine Wirksamkeit von 99,99 Prozent. Aber: LifeStraw ist bei Schwermetall-, Arsen-, Fluorid- und Ölverschmutzungen wirkungslos.
Reinstecken und geniessen - das gilt auch für alle selbst gemachten Getränke.
Dip, sip, ahh!
Reinstecken, trinken und geniessen, so beschreibt die australische Firma Unistraw ihren Trinkhalm «Sipahh», er enthält Kügelchen, die Geschmack abgeben. Steckt man das Rohr in die Milch und saugt, dann gelangt aromatisierte Milch in den Mund. Erdbeer, Caramel, Banane und Schokolade sind u.a. auf dem Markt.
Peter Baron, der Erfinder dieses Rohrs, hat in der Entwicklungsphase nach einem starken Partner gesucht und seine Idee Nestlé vorgestellt. Wenig später nahm Nestlé «Magic Straw», einen aromatisierenden Trinkhalm, ins Sortiment auf. Der Australier ging vor Gericht, denn er glaubt, dass der Grosskonzern seine Idee kopiert hat - ein Kampf von David gegen Goliath.