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Tajine - Kochen wie die Nomaden

Im Zeitalter von Kombi-Steamer und Induktionsherd feiert ein urtümliches Kochgerät Renaissance: die Tajine, ein marokkanischer Tontopf mit kegelförmigem Deckel. Das schonende Kochverfahren, das die Berber seit Jahrhunderten auf dem offenen Feuer am Fusse des Atlas anwenden, wird in unseren Hightech-Küchen immer populärer.
 

 
     
 
     
 
     
 
     
 
Seiteninhalt
 
Tajine - urtümlicher Dampfkochtopf

Ton-Tajine oder Hightech-Topf?

Kochen in der Tajine - so funktionierts

Tajine - so wird sie gegessen

Warenkunde: Typische Zutaten für die Tajine

Ein Abend in Marokko

Gesundheitstipp: Marokkanisches Teeritual

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 In der Tajine werden die Gerichte weitgehend im eigenen Saft gegart.
Tajine - urtümlicher Dampfkochtopf

Tajine («daschin» gesprochen) ist nicht nur der Name des Tontopfs mit dem typischen kegelförmigen Deckel, sondern auch die Bezeichnung für Gerichte, die darin zubereitet werden. Das Kochgeschirr aus Lehm wurde schon vor Jahrhunderten von den Berbern, der nomadischen Urbevölkerung Marokkos, verwendet und darf auch heute in keinem marokkanischen Haushalt fehlen. Doch was sollen wir in der Hightech-Küche des 21. Jahrhunderts mit einem Tontopf? Wo wir doch mit Kombi-Steamer, Induktionsherd und Edelstahl-Kasserollen schon bestens ausgerüstet sind?

Ganz einfach: Das Kochen in der Tajine ist so einfach wie genial und immer noch zeitgemäss! Die Gerichte werden langsam und auf kleinem Feuer meist im eigenen Saft besonders schonend gegart. Die Nährstoffe bleiben weitgehend erhalten, und das natürliche Aroma der Zutaten kann sich optimal entfalten. Möglich macht es der kegelförmige Deckel. Während des Kochens steigt Dampf an den kalten Wänden auf, kondensiert in der Deckelspitze und tropft dann auf das Gargut zurück. Bei der Tajine handelt es sich also um so etwas wie einen urtümlichen Dampfkochtopf!


 Die ursprüngliche Tajine ist unglasiert und hat einen bauchigen, eher flachen Deckel.
Ton-Tajine oder Hightech-Topf?

Traditionelle Ton-Tajine oder Hightech-Topf aus modernen Materialien? Bei der Wahl des Kochgeschirrs gilt es die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen:
  • Ton-Tajine, unglasiert (z.B. Ali Baba)
    Die Ur-Tajine mit bauchigem, eher flachem Deckel, auch Berber-Tajine genannt. In traditioneller Handarbeit hergestellt.
    Vorteile: Die Ursprüngliche! Gleichmässige, sehr effiziente Wärmeverteilung, kann auf allen Herdarten (ausser Induktion) und auch im Backofen verwendet werden. Aus naturbelassenem Lehm, frei von Schwermetallen.
    Nachteile: Relativ aufwändig in der Handhabung und in der Pflege (vor jedem Gebrauch wässern nötig, darf nur von Hand ohne Spülmittel gereinigt werden). Das poröse Material nimmt Aromastoffe und Farben relativ leicht auf.
    Erhältlichkeit: www.naturkraftwerke.com
    Preis: CHF 69.00 (Ø 25cm) bzw. 79.00 (Ø 29cm).
  • Ton-Tajine, glasiert
    Besteht aus flacher, glasierter Schale und spitz zulaufendem Deckel, der nur aussen, nicht aber innen glasiert ist.
    Hinweis: Bunt bemalte Tajines oder mit auch innen glasiertem Deckel eignen sich nicht zum Kochen, sondern nur zum Servieren, weil sie keine grösseren Temperaturschwankungen aushalten und die verwendeten Farben oftmals mit Blei belastet sind.
    Vorteile: Kann auf allen Herdarten (ausser Induktion) und auch im Backofen verwendet werden. Keine Geschmacksübertragung, einfache Reinigung der Schale (nicht jedoch des innen unglasierten Deckels - siehe «Ton-Tajine, unglasiert»).
    Nachteile: Die Qualität kann oft nicht überprüft werden. Die Folge: Hitzeempfindlichkeit und Risse bzw. Sprünge.
    Erhältlichkeit: In orientalischen Läden sowie in diversen Online-Shops.
    Preis: CHF 30.00 (Ø 18cm) bis 90.00 (Ø 32cm).
  • Hartkeramik-Tajine (z.B. von Emile Henry)
    Tajine der neueren Generation aus flammfester, schockresistenter Hartkeramik mit eher flachem Deckel.
    Vorteile: Kann auf allen Herdarten, im Backofen und mit Adapterplatte auch auf dem Induktionsherd verwendet werden. Spülmaschinenfest.
    Nachteile: Hat mit der ursprünglichen Tajine nur noch die Form gemein.
    Erhältlichkeit: In grösseren Coop Supermärkten.
    Preis: CHF 99.00 (Ø 32cm); Induktionsherd-Adapterplatte (Ø 19,5cm; erhältlich nur im Fachhandel, z.B. Jelmoli): ca. CHF 79.00.
  • Gusseisen-Keramik-Tajine (z.B. von Le Creuset)
    Besteht aus einer Gusseisenschale und einem glasierten Keramikdeckel.
    Vorteile: Kann auf allen Herdarten (inkl. Induktion) und im Backofen verwendet werden.
    Nachteile: Relativ schwer und teuer.
    Erhältlichkeit: Im Fachhandel.
    Preis: CHF 225.00 bis 240.00 (Ø 24cm).



 Als Tajine-Ersatz kann der Römertopf dienen. Das Gericht muss dann allerdings im Ofen zubereitet werden.
Kochen in der Tajine - so funktionierts

Gerichte können in der Tajine mit einem Minimum an Flüssigkeit, praktisch im eigenen Saft gegart werden. Entweder werden wasserhaltige Zutaten wie z.B. Zwiebeln oder Tomaten oder wenig Wasser bzw. Bouillon zugegeben.

Der Garprozess verläuft von innen nach aussen. Die Zutaten werden übereinander geschichtet, d.h. diejenigen mit längerer Kochzeit (z.B. Fleisch) kommen in die Mitte des Topfes, solche mit kürzerer Kochzeit (z.B. Tomaten) darunter bzw. darüber.

Fleisch und Fisch werden zuerst in der Schale in heissem Fett angebraten, herausgenommen und dann zusammen mit den anderen Zutaten eingeschichtet. Anschliessend wird der Deckel aufgesetzt und die Tajine je nach Zutaten zwischen einer halben und einer dreiviertel Stunde auf sehr kleinem Feuer sanft gegart.

Traditionellerweise wird die Tajine auf dem offenen Feuer, d.h. auf einem Stövchen mit Glühkohle (einer Art Rechaud), zubereitet. Puristen sind denn auch der Meinung, dass eine Tajine nicht in den Ofen gehört. Viele Rezepte können jedoch auch im Ofen zubereitet werden. Das ist sehr praktisch, vor allem, wenn man über keine Tajine-Form, dafür aber über einen Römertopf verfügt. Anstelle einer Tajine kann jedoch auch ein gewöhnlicher Brattopf verwendet werden. Die Kochzeit bleibt etwa gleich.


 Gegessen wird direkt aus dem Topf - in der Regel mit Fladenbrot.
Tajine - so wird sie gegessen

Für Tajines und die marokkanische Küche ist die Kombination von süssen und sauren Geschmacksnoten typisch. So kommen in vielen Rezepten Dörrfrüchte wie Pflaumen und Aprikosen sowie eingelegte Salzzitronen vor. Neben Gewürzen wie Zimt, Safran, Kurkuma, Ingwer und Paprika spielen auch frische Kräuter wie Koriander und Pfefferminze eine wichtige Rolle. Als Fleisch wird meist Lamm verwendet, oft aber auch Poulet und manchmal auch Rindfleisch oder Fisch; nicht jedoch Schweinefleisch, weil der Islam ja dessen Genuss verbietet. Tomaten und Zwiebeln kommen in fast jedem Rezept zum Einsatz, weil sie eben stark wasserhaltig sind und ein Garen im eigenen Saft ermöglichen.

In Marokko wird die fertige Tajine auf den Tisch gestellt. Gegessen wird direkt aus dem Topf, in der Regel mit Brot. Traditionellerweise ist es Fladenbrot, aber wenns mal schnell gehen soll, kann es auch mal eine Baguette sein. Je nach Gegend wird aber auch Couscous dazu serviert.

Text: Daniela Rinderknecht


 In Salzwasser eingelegte Zitronen haben einen intensiveren Zitronengeschmack und gehören zu den wichtigsten Zutaten der marokkanischen Küche.
Typische Zutaten für die Tajine

  • Eingelegte Salzzitronen
    Die in Salzwasser eingelegten Zitronen gehören zu den wichtigsten Zutaten der marokkanischen Küche. Sie sind ganz einfach zuzubereiten und halten sich mehrere Monate. Das Salz entzieht den Zitronen die Säure weitgehend, dafür intensiviert sich der Zitronengeschmack. Als Ersatz kann man abgeriebene Zitronenschale verwenden. Dem Gericht muss dann etwas mehr Salz beigefügt werden.
    Rezept: Salzzitronen
  • Geklärte Butter (Smen)
    Neben Olivenöl wird in der marokkanischen Küche gerne geklärte Butter, genannt Smen, verwendet. Durch Aufkochen wird die Butter haltbar gemacht, gesalzen und evtl. mit etwas Thymian und Oregano gewürzt. In Marokko ist es z.T. noch Sitte, Smen wie Wein in versiegelten Krügen viele Jahre aufzubewahren. Mit der Zeit wird die Butter immer bernsteinfarbener und kräftiger. Als Ersatz kann Bratbutter verwendet werden.
  • Raz el Hanout
    Marokkanische Gewürzmischung mit vielen Zutaten. Die arabische Bezeichnung bedeutet «Kopf des Ladens» bzw. «Das Höchste des Ladens», was frei übersetzt etwa so viel heisst wie «Das Beste im Angebot». Jeder Gewürzhändler in Marokko hat denn auch seine eigene Geheimmischung. Obwohl es kein festgelegtes Rezept gibt, kommen folgende Zutaten mehr oder weniger immer vor: Pfeffer, Lavendel, Rosenknospen, Kreuzkümmel, Ingwer, Muskatnuss, Macis (Muskatblüte), Kardamom, Gewürznelken, Bockshornklee und Zimt. Raz el Hanout ist in der Lebensmittelabteilung von Warenhäusern, orientalischen Spezialitätenläden, Reformhäusern und auf Wochenmärkten (z.B. bei Edi's Chrütli Chuchi, Tel. 044 301 03 74) erhältlich. Als Ersatz kann Currypulver verwendet werden.



 In der aktuellen Ausgabe der Betty Bossi Zeitung servieren wir Ihnen ein marokkanisches 4-Gang-Menü.
Ein Abend in Marokko

Die aktuelle Ausgabe der Betty Bossi Zeitung lädt Sie ein zu einem Abend in Marokko und serviert Ihnen ein marokkanisches 4-Gang-Menü. Den Auftakt macht die Harira, die marokkanische Fastensuppe, gefolgt von einer Fisch-Bastilla, einer knusprigen Fischpastete. Zum Hauptgang gibts eine Lamm-Gemüse-Tajine mit Couscous, und den krönenden Abschluss bildet eine Dattelcreme. Probieren Sie jetzt gleich das Tajine-Rezept aus!

Rezept: Lamm-Gemüse-Tajine

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 Sowohl krampflösend als auch anregend: Das marokkanische Nationalgetränk ist eine gesunde Mischung.
Marokkanisches Teeritual

Zum Ritual marokkanischer Gastfreundschaft gehört der Pfefferminztee. Dabei spielen nicht nur die Zutaten - Minze, Grüntee, siedendes Wasser und viel Zucker - eine wichtige Rolle, sondern auch die Zubereitung, die immer gleich abläuft: Zuerst wird der Grüntee (in der Regel Gunpowder) mit wenig siedendem Wasser übergossen, kurz geschwenkt und dann das Wasser sofort wieder weggeschüttet. Anschliessend wird der Grüntee mit frischem Wasser aufgekocht, kurz ziehen gelassen und dann zu Minze und Zucker in den Teekrug gesiebt. Nach erneutem kurzem Ziehenlassen wird in ein Glas mit langem Strahl Tee eingefüllt und dann wieder in den Krug zurückgegossen. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt. Neben traditionellen spielen bei diesem Ritual wohl auch hygienische Gründe mit. Weil der Grüntee durch viele Hände geht, bevor er im Teekrug landet, «reinigen» ihn die Marokkaner zuerst mit heissem Wasser. Auch werden mit dem ersten Aufguss Bitterstoffe weggeschüttet.

Da Grüntee bei der Herstellung nur in geringem Umfang verarbeitet und fermentiert wird, enthält er einen hohen Anteil von Antioxidantien (z.B. Katechine). Neuste Studien belegen, dass Menschen, die viel Grüntee trinken, innerhalb von 24 Stunden mehr Energie verbrennen als solche, die darauf verzichten. Katechine wirken nicht nur positiv auf den Energiestoffwechel, sondern beugen obendrein noch vielen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs vor.

Die marokkanische Nana-Minze stammt von der Krauseminze ab und wirkt appetitanregend und krampflösend. In Kombination mit dem Grüntee erweist sich das marokkanische Nationalgetränk als krampflösende und anregende Teemischung. Da der Grüntee nur kurz ziehen gelassen wird, tritt mehr Koffein in den Teeaufguss über als bei längerem Ziehenlassen. Das Koffein wird ohne die eher beruhigenden Gerbstoffe gelöst.

Rezept: Thé à la menthe (Pfefferminztee)

Gesundheitstipp: Marlène Gautschi, Ernährungsberaterin


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