Seit 55 Jahren erfreut sich Riz Casimir ungebrochener Beliebtheit. Das Curry-Geschnetzelte, das gerne im Reisring angerichtet wird, ist aber nur scheinbar ein exotisches Gericht...
Die Hauptzutat Curry lässt auf ein exotisches Gericht schliessen - dem ist aber nicht so.
Der Exot, der keiner ist
Auf den ersten Blick scheint Riz Casimir ein exotisches Gericht zu sein. Curry, die dominante Gewürzmischung, und die Assoziation mit Kashmir, dem ehemaligen Mogulreich, weisen nach Indien. Doch die weiteren Hauptzutaten (in der Regel Parboiled-Reis, Kalbsgeschnetzeltes, Ananas, Bananen, Herzkirschen aus der Dose, Rahm) lassen Kennerinnen und Kenner der indischen Küche stutzen: Kalbfleisch wird in dem mehrheitlich hinduistischen Staat, in dem die Kuh als heiliges Tier gilt, wohl kaum verwendet. Und Rahm und Herzkirschen haben in authentischen indischen Gerichten nichts verloren. Genauso wenig wie der hierzulande oft verwendete Parboiled-Reis, der gerne in einem Ring angerichtet wird.
Seit 1952 ein Hit: Riz Casimir erfreut sich bei Mövenpick ungebrochener Beliebtheit.
Seit über 50 Jahren auf der Menükarte
Das Gericht ist nicht etwa exotischen, sondern schweizerischen Ursprungs. Die Erfindung der Gastrokette Mövenpick war gleich von Beginn weg ein Renner und steht seit 1952 auf der Menükarte, wie dort stolz vermerkt wird.
Obwohl auch Mövenpick inzwischen authentische asiatische Gerichte im Angebot hat, bleibt das Gastrounternehmen dem Riz Casimir treu. Der Versuch, es von der Karte zu nehmen, scheiterte, weil die Kundschaft weiterhin nach dem Klassiker verlangte.
Noch 2002 wurde das Gericht in den Mövenpick-Restaurants 80'000-mal bestellt. Alle Früchte sind frisch, sogar auf die Herzkirschen aus der Dose wird verzichtet, und der asiatische Jasminreis wird in einem attraktiven Kegel angerichtet.
Bereits in den 1960er-Jahren wurden Riz Casimir und andere den hiesigen Verhältnissen angepasste fremdländische Rezepte von Kochbuchautorinnen aufgegriffen.
Fremde Rezepte mit hier erhältlichen Zutaten
Zu Hause wurde das Rezept fleissig nachgekocht. Statt Kalbfleisch wurden auch Poulet- und Schweinsgeschnetzeltes verwendet. Die Früchte kamen natürlich aus der Dose. Maggi und Knorr erkannten den Trend und entwickelten die passende Fertigsauce aus dem Beutel.
1967 wurde das Rezept in die Neuauflage des Kochlehrbuches der Haushaltungsschule Zürich aufgenommen. Elisabeth Fülscher, die Leiterin einer Zürcher Kochschule und Autorin, führte es schon 1960 in ihrem Kochbuch. Im Vorwort erklärt sie den neuen Esstrend: «Wir bereichern unsere Speisezettel mit den Geheimnissen aus fremdländischen Kochtöpfen. Dem oft geäusserten Wunsch nach solchen Rezepten, die sich leicht den bei uns erhältlichen Zutaten anpassen, trägt die Neuauflage Rechnung.» - und natürlich auch das Rezept für Riz Casimir!
Text: Alexandra M. Rückert
Traditionellerweise wird Riz Casimir im Reisring angerichtet. Eine attraktive Variante ist der Reiskegel, z.B. im Betty Bossi Rezept aus dem Buch «Reisküche».
Auch bei Betty Bossi ein Dauerbrenner
Auch bei Betty Bossi durfte das beliebte Rezept natürlich nicht fehlen. Unter dem Namen Gschnätzlets Kasimir (mit K!) tauchte es erstmals 1976 im Buch «100 Wunder-Rezepte» auf. Und wie bei Mövenpick ist es offenbar ein Evergreen, das von unseren Abonnentinnen und Abonnenten immer wieder gewünscht wird. So musste es denn in der Betty Bossi Zeitung (1986 und 1995) und auch in den Kochbüchern immer wieder aufgenommen werden: so in zwei neueren Publikationen, dem «Grossen Betty Bossi Kochbuch» (2006) und in «Reisküche» (2005).
Die Zutaten variieren leicht: Mal wird Schweinefleisch, mal Pouletfleisch verwendet, und der Rahm wird z.T. durch Milch ersetzt oder ganz weggelassen. Auch angerichtet wird auf verschiedene Arten: mal ganz gewöhnlich, mal im Reisring und mal im attraktiven Kegel wie im unten stehenden Rezept.
Riz Casimir (mit Poulet-Geschnetzeltem) gibt es auch als IDEE Betty Bossi Fertigprodukt bei Coop, und es verkauft sich noch immer sehr gut.