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Götterspeise ist nicht gleich Götterspeise Unter dem Begriff Götterspeise sind zweierlei Süssspeisen bekannt: zum einen die Süssspeise aus Gelatine oder anderen Geliermitteln, Zucker, Aroma- und Farbstoffen. Faszinierend ist es, sie zum Wackeln zu bringen, deshalb ist in Deutschland dafür auch die Bezeichnung Wackelpudding gebräuchlich. Diverse Aromen sind vorhanden: Waldmeister (grün), Himbeere (rot), Kirsche (rot) und Zitrone (gelb). Gegessen wird diese Götterspeise mit Schlagrahm oder Vanillesauce. Diese Speise stammt aus dem Hause Dr. Oetker und ist seit 1912 auf dem Markt erhältlich. Weit mehr Kreativität und Vielfalt bietet die zweite Süssspeise unter diesem Namen an: ein verführerisches Dessert aus Creme, Früchten und Konfekt. |
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Literarisch und multikulturell Götterspeisen sind in vielen Ländern und in verschiedenen Variationen bekannt. Im deutschen Sprachraum ist es der Schriftsteller Theodor Fontane, der sie literarisch beschreibt: In seinem Roman «Cécile» (1884-86) berichtet er von einer verarmten Witwe aus gutem Hause. Sobald die Witwenrente verbraucht ist, macht sie aus der Not eine Tugend und fertigte aus Rosinen und Mandeln «Pilzchen» an: Die Witwe steckte in grosse Rosinen halbe Mandeln, Stück für Stück, was so aufwendig war, dass sie darüber ihren Hunger etwas vergass. Die fertigen «Pilzchen» schmeckten dann wahrhaftig wie eine Götterspeise. Marcel Proust erwähnt 1922 die «diplomate», die französische Verwandte der Götterspeise, in «Sodom und Gomorrha». In der Schweiz ist das Diplomat hingegen eine Patisserie auf der Basis von Vanillecreme. Die englische Variante der Götterspeise, die «trifle», ist schon seit über 400 Jahren bekannt. Vielleicht geht auch der Name der italienischen «zuppa inglese» (englische Suppe) auf die Trifle zurück? Es ist nicht bekannt. Die süssen Gerichte sind sich jedenfalls ähnlich - und beide göttlich gut! |
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Götterspeise: nur für richtige Götter! In der griechischen Mythologie gab es tatsächlich eine Speise, die allein den Göttern vorbehalten war: die Ambrosia. Sie wurde den Göttern von Tauben dargereicht, war göttlich gut und verhiess Unsterblichkeit. Uns, den Normalsterblichen, blieb sie verwehrt. Der Name Ambrosia wurde später auch auf andere «göttliche» Speisen übertragen, so zuweilen für die biblische Frucht vom Baum der Erkenntnis. Evas unerlaubter Griff nach dem berühmten «Apfel» führte zur Vertreibung der Menschen aus dem Paradies. Mit der Zeit bezeichnete man auch ganz weltliche, aber wohlschmeckende und köstliche Speisen als Götterspeise. Je nach Kultur und Zeit erhält z.B. die Avocado oder die Schokolade diese Bezeichnung. Sicherlich seit 1914 wird in der Kochkunst das Wort Götterspeise für bestimmte Süssspeisen und puddingartige Gerichte verwendet. Rezepte gibt es unzählige! |
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Creme, Obst, Konfekt in Schichten Neben dem deutschen Namen trägt eines der älteren Rezept (um 1900) einen französischen, nämlich «Pouding à la Diane». Hier wird eine Vanille-Eier-Creme mit Mandeln und Biskuitgebäck vermischt. Die Masse wird in eine tiefe, runde Platte gegeben, darauf kommt eine Schicht gekochtes Obst oder Konfitüre, es folgt eine Schicht Schlagrahm. Ein weiteres Rezept wird mit Schokoladecreme zubereitet. Eine tiefe, ofenfeste Platte wird schichtweise gefüllt: Konfekt, Obstgelee, Schokoladecreme, Konfekt, Schokoladecreme und zum Abschluss Eischnee. Diese Götterspeise wird im Ofen überbacken, bis der Eischnee einen goldbraunen Hauch bekommt. Einfacher wird es in einem Kochbuch von 1929 (Nietlisbacher) beschrieben: Zwieback wird belegt mit heissem Obstmus, z.B. Pflaumen, und einem mit Eierschnee gelockerten, heissen Griessbrei. Diese Speise wurde damals mit einer rohen Frucht oder Vanillesauce ergänzt. Elisabeth Fülscher (1960) gibt der Götterspeise auch eine französische Bezeichnung<. «Creme délicieuse»: Die Vanillecreme mit Gelatine wird mit Eischnee gelockert. Die in Stücke geschnittenen Löffelbiskuits bestreicht sie mit Konfitüre (Aprikose oder Himbeere). Diese werden in die Schale gelegt, dort werden sie mit Zitronensaft - oder edler: mit Likör - beträufelt. Erst kurz vor dem Anrichten wird die Creme darübergegeben. Garniert wird das Ganze mit Biskuit, Konfitüre und Schlagrahm. Der Schweizer Koch Willy Brenneisen (1960) bringt ein Rezept, das neben dem Gaumen auch das Auge erfreut. In eine gläserne Dessertschale gibt er das Kompott zwischen Vanillecremeschichten. Darauf kommen ein Tupfen Schlagrahm und eine Kompottkirsche. Vor dem Servieren werden Löffelbiskuits ins Glas gesteckt, sodass sie eng am Schalenrand zu stehen kommen. |
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Fruchtige Ideen für Beeren Seit einigen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, werden die verarbeiteten Früchte (Gelee, Kompott, Mus, Konfitüre) durch frische Früchte ersetzt. Bald glänzen die Beeren wieder am Busch im Garten oder in der Kartonschale im Laden, und sie harmonieren alle wunderbar mit Vanillecreme! Aber wer sagt denn, dass nur die Vanillecreme die einzig richtige ist ...? Rezept: Erdbeer-Götterspeise (siehe Titelbild) Text: Alexandra M. Rückert |
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