Der Herbst ist kulinarisch eine ganz besondere Zeit: Neben Pilzen, Kastanien und Trauben haben jetzt auch Wildgerichte Hochsaison. Das Angebot an frischem Reh-, Hirsch-, Gams- und Wildschweinfleisch ist gross - und mit etwas Glück findet man sogar solches aus einheimischer Jagd.
Vom Fruchtbarkeitssymbol zum Kuscheltier für Kinder: der Hase.
Beliebt und bewundert
Der Hase ist ein absolutes Lieblingstier der Kinder. Er ist nicht zu gross, er ist flauschig, und seine langen Ohren geben ihm ein niedliches Aussehen. In vergangenen Jahrhunderten bewunderten auch die Erwachsenen den Feldhasen, weil er schnell, wachsam und sehr fruchtbar war. Eine Häsin kann bis zu viermal im Jahr zwei bis drei Junge zur Welt bringen.
Die mit dem Hasen verbundenen Kräfte beeindruckten bis weit in die Neuzeit hinein. Hasenblut, das im 18. Jahr- hundert in der Apotheke verkauft wurde, sollte kranke Glieder heilen. Die Schnelligkeit des Tieres sollte sich auf die kranken Beine des Menschen übertragen. Einst war die Kirche gegen den Verzehr von Hasenfleisch, denn man glaubte auch hier, das sexuelle Verhalten des Hasen würde sich auf den Menschen übertragen.
Das Drei-Hasen-Fenster des Paderborner Doms: Die Hasen sind so geschickt angeordnet, dass zwar jedes Tier zwei Ohren hat, das Motiv aber insgesamt mit nur drei Ohren auskommt.
In Kirche und Küche zu Hause
Der Hase spielt im Christentum aber auch eine positive Rolle: Drei Hasen zusammen mit drei Ohren symbolisieren die Dreieinigkeit Gottes, die Trinität, die allzeit wacht, alles sieht und hört. Gezeigt wird dieses Symbol in Kirchenfenstern, z.B. im spätgotischen Kreuzgang des Paderborner Doms, und weltlicher auf einem Gebäckmodel aus dem 16. Jahrhundert, das sich im Schweizerischen Landesmuseum befindet.
Über Jahrhunderte wurden Gebildebrote zu speziellen Anlässen gebacken; ihre Form wies deutlich auf den jeweiligen Feiertag hin. Bevor zu Ostern die Schoggihasen in Mode kamen, wurde das Tier aus Teig nachgeformt. Im Elsass noch im 19. Jahrhundert aus Mürbeteig, der dann in einer Tonform gebacken wurde.
Der Hase als Eierlieferant: kein biologisches Wunder!
Wie der Hase zu den Eiern kam
Im Frühling erscheint das eigentliche Nachttier Hase auf der Suche nach dem passenden Partner bzw. Partnerin auch zur Tageszeit, einige zur Futtersuche auch ab und zu in Siedlungen. Was er dort zu suchen hat, ist ja klar, er bringt die Ostereier! Denn von einem normalen Huhn kann ein gefärbtes oder verziertes, gekochtes Ei ja nicht stammen, das weiss schliesslich jedes Kind. Nur war es so, dass die Osterhasen vor allem in die Städte kamen, um mit den bunten Eiern die Kinder zu erfreuen …
Ein süddeutscher Mediziner liess 1682 eine Abhandlung drucken, worin er sich zum Osterhasen äussert. Er berichtet über den Brauch, der z.B. in der Pfalz und im Elsass bekannt ist. Dort spricht man nicht von Ostereiern, sondern von «Haseneiern». Dies aufgrund einer Fabel, die besagt, dass der Osterhase solche Eier lege und sie dann in den Gärten verstecken würde. Doch warum hat man sich gerade den Hasen als Eierbringer ausgesucht? Auch das Ei ist Symbol für die Fruchtbarkeit wie der Hase selbst! So wurde aus dem Hasen und dem Ei ein unzertrennliches Paar.
Aus einem Guss: glänzende Schoggihasen in klassischer Pose.
Der Hase schlägt die Konkurrenz
In anderen Gegenden waren diverse Tiere für die Ostereier verantwortlich, z.B. Fuchs, Storch, Auerhahn und Kranich. Ja selbst der Kuckuck galt früher in der Schweiz als Überbringer der Ostereier.
Ein stadtzürcherisches Lied aus dem 18. Jahrhundert lobt den Osterhasen, weil er ungesehen in jedes Haus hineinkommt und dort die Ostereier versteckt - besser als vor ihm der Kuckuck. Das Lied beschreibt weiter, wie man sich in Zürich zu Ostern bei der Patin oder beim Paten trifft. Nach dem Mittagessen beginnt die Suche nach den Eiern in Haus und Garten.
Ein Berner Dichter schrieb 1826 sogar ein Stück über den Osterhasen. Der Dichter musste der Leserschaft den Brauch ausführlich erklären, weil das Tier in Bern bisher nicht allgemein bekannt gewesen war.
Zur Verbreitung des Osterhasen trug dann aber vor allem die Einführung der Schokolade bei. Nachdem die Hasen zuerst aus süssem Teig nachgebildet worden waren, kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die noch heute beliebte Version aus Schokolade in Mode. Begleitet wird der Schoggihase inzwischen von Artgenossen aus Nougat oder Marzipan.
Die witzigen Party-Hasen sind aus süssem Fertig-Mürbeteig gebacken (z.B. erhältlich bei Coop) und farbenfroh verziert. Ein ideales Mitbringsel für die Osterbrunch-Einladung!