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Retro-Küche: fidel-famose 50er-Jahre

Fremdländische Düfte, exotische Früchte, knallige Farben und gewagte Aromakombinationen: Die 50er-Jahre beflügeln die Fantasie der damaligen Hausfrau. In der Küche summt der Mixer, brummt der Kühlschrank. Die neuen Errungenschaften modernisieren die Alltagsküche radikal. Eine Hommage an das schöpferische Jahrzehnt, dessen Kreationen bis heute begeistern.
 

 
     
 
     
 
     
 
Seiteninhalt
 
Adieu Tristesse

Lust auf ferne Länder

Exotischer Bluff

Italien erobert die Küche

Zauber der Zeit

Pfiffige Party-Hits

Betty Bossi: Wunderkind der 50er

Archiv

 

 Die Küche der 50er-Jahre: technisch auf dem neusten Stand und farbenfroh.
Adieu Tristesse

In der 50ern treibt man es bunt - auch in der Küche. Das vormals karge Kabäuschen in Beige präsentiert sich nun als farbenfrohes Versuchslabor mit Kühlschrank und ausgeklügelten Haushalthilfen. Nach Jahren des Mangels und Darbens herrscht Experimentierfreude am Herd. Es duftet nach grosser, weiter Welt. Exotische Nahrungsmittel locken ebenso wie südländisches Flair. Zeitschriften, Fernsehen, zugezogene Nachbarn aus dem Ausland und neue Gastronomiekonzepte inspirieren die moderne Hausfrau. Die Reklame definiert ihre Rolle neu: «Eine Frau», so behaupten die Werber, «eine Frau hat zwei Lebensfragen: Was soll sie anziehen? Und was soll sie kochen?»


 Der Fifties-Klassiker, neu interpretiert: Dörrfrüchte-Casimir.
Lust auf ferne Länder

«Rezepte wandern um die Welt», schreibt Elisabeth Fülscher Ende der 50er-Jahre in der Neuauflage des Fülscher-Kochbuchs. Inbegriff des Kunterbunt-Kulinariums ist Riz Casimir, ein Gericht, das bis heute Bäuche zum Knurren bringt. Kreiert hat es Mövenpick-Gründer Ueli Prager (mehr dazu im Beitrag «Riz Casimir: seit 55 Jahren ein Hit»). Das Reisgericht trumpft mit allem auf, was die 50er-Jahre zu bieten haben: bislang unbekannte Aromen, freche Geschmacks- und Farbkombinationen. Im blütenweissen Reisring leuchtet das zündgelbe Curry-Seeli. Ananas, Banane und Korinthen begleiten das Fleisch. Rote Peperonistreifen oder Herzkirschen setzen fröhliche Farbakzente.

Tipp: Eine überraschende Alternative zu unserem Klassiker Riz Casimir ist unser Dörrfrüchte-Casimir.

Wer wenig Zeit hat - schliesslich brummt die Wirtschaft -, stillt den kleinen Hunger mit Waldorfsalat. Das Rezept für die fruchtig-cremige Mariage von geraspeltem Sellerie, Apfel, Nüssen und viel Mayonnaise stammt aus den USA. Ebenfalls amerikanischen Ursprungs ist der eiskalte Verführer namens Bananensplit mit dreierlei Glacesorten, Schokolade-Topping, Banane und Rahm. Unverzichtbare Garnitur für all die Köstlichkeiten ist die Herzkirsche. Der rote Tupf krönt kalte wie warme, süsse wie pikante Speisen.


 Kein Bluff: Gemüse Sweet and Sour, unsere farbenfrohe Vegi-Referenz an die Fifties.
Exotischer Bluff

Ein bis heute gefälliger Klassiker der 50er-Jahre ist Toast Hawaii. Ähnlich wie Riz Casimir lockt das bunte Blitzgericht mit süss-pikanten Geschmacksnoten. Und ähnlich wie Riz Casimir mutet der Name zwar exotisch an. Tatsächlich aber handelt es sich bei beiden um einen Bluff. Erfunden wurde Toast Hawaii von Clemens Wilmenrod. Der deutsche Schauspieler brilliert ab 1953 in der ersten TV-Live-Kochsendung: «Bitte, in zehn Minuten zu Tisch». Mangelnde Kochkünste macht Wilmenrod mit charmantem Geplauder wett. Er zitiert Dichter und Denker, um beispielsweise im Fernsehen «Gefüllte Erdbeeren» zu präsentieren, in die er bloss eine Mandel steckt.

Wilmenrods berühmteste Hinterlassenschaft, Toast Hawaii, taucht in Abwandlung fortan immer wieder auf. Gemeinsamer Nenner von Toast, Steak oder Pizza Hawaii ist die Ananas. Gluschtige Varianten sind auch unser Gefülltes Pita-Brot mit Ananas, Maiskörnern und Krustenbraten sowie Gemüse Sweet and Sour, unsere farbenfrohe Vegi-Referenz an die 50er. Im Original besteht Toast Hawaii aus je einer Scheibe Toastbrot und Dosenananas. Darauf brutzelt eine Decke aus Modellschinken und Schmelzkäse. Gekrönt wird das Ganze von einer Herzkirsche, dem obligaten Dekor der 50er.


 «Spaghetti bolo» sind aus unserem Speiseplan nicht mehr wegzudenken.
Italien erobert die Küche

Als nachhaltigste Pulsgeber am helvetischen Herd erweisen sich die Italiener. Erstens avanciert die Mittelmeerküste nach den Kriegsjahren zum beliebtesten Reiseziel. Zweitens strömen ab 1950 ausländische Arbeitskräfte in die Schweiz aufgrund des Wirtschaftbooms. Der Grossteil stammt aus Italien. Prompt eröffnen die ersten Pizzerien. Aus den Fenstern zugezogener Nachbarn wabern delikate Duftschwaden von Sugo und Ossobuco. Eine Nase voll Erinnerungen bieten der Sugo al pomodoro und die Ossibuchi (beide Rezepte von Betty Bossi). Auch die Bologneser Sauce, hier von uns gezaubert, ist bald schon berühmter als ihre Heimat Bologna. Unsere Spaghetti mit Pesto nach Trapaneser Art sind ein wunderbares Heimwehgericht aus Sizilien und die Trofiette mit Trevisano-Prosecco-Sauce die ultimativen Seelentröster aus Ligurien.

Erste Versuche, die Genüsse zu kopieren, fallen allerdings kläglich aus. Noch fehlt das Know-how: Zu den Spaghetti wird simples Tomatenpüree gereicht. Und die Pasta selbst gerät zur Pampe. Selbst Kochbuchautorin Elisabeth Fülscher scheitert. In Rezept Nr. 1016 empfiehlt sie, Spaghetti 15-20Min. zu kochen. Das Resultat einer solchen Tortur lässt selbst versiertere Hausfrauen kapitulieren. Italienische Kost gibts vorerst aus der Dose: Der Siegeszug der Büchsenravioli beginnt.

Tipp: Mehr genussreiche Inspirationen für italienische Küchenklassiker finden Sie in den beiden Betty Bossi Büchern «Anitpasti & Pasta» und «Italienische Küche».


 Planen SIe eine Fifties-Party? Die Eclairs mit Brombeercreme dürfen da nicht fehlen!
Zauber der Zeit

Der technische und wirtschaftliche Fortschritt gibt zu Hause den Takt an. Auf den Tisch kommt, was schnell zubereitet ist. Neben Ravioli gibts Fondue und Rösti als Fertiggericht. Auch die Gerätehersteller setzen mit elektrisch betriebenen Haushalthilfen auf Geschwindigkeit. 1950 stellt Roger Perrinjaquets seine Erfindung vor, einen Stabmixer. Der welsche Tüftler nennt ihn in Anlehnung an die Funktion «battre et mixer» - schlagen und mixen - kurz Bamix. Im Nu lassen sich damit eine Creme zaubern, Rahm schlagen, Gemüse und Früchte pürieren wie etwa für unsere Eclairs mit Brombeercreme, die auch farblich den wunderbunten 50ern entsprechen.

Bereits ein Jahr bevor der Stabmixer die Küche erobert, lanciert die Firma Kuhn Rikon den Duromatic. Ob Ragout, Speck und Bohnen oder Sauerkraut: Der Schnellkochtopf verkürzt die Zubereitungszeit auf ein Drittel. Heute steht der Dampfdruckgarer wieder ganz hoch im Kurs, weil er wesentlich weniger Energie verschlingt als die herkömmliche Pfanne.

Eine weitere Erfindung aus den 50ern, die ebenfalls jüngst neu Furore machte, ist der Rahmbläser. Modernistische Molekularköche ehren ihn mit verblüffenden Rezepten für Schäumchen respektive trendige Espumas jeder Art.

Tipp: Quasi eine leistungsstarke Weiterentwicklung von Perrinjaquets Bamix ist der Betty Bossi Akku-Stabmixer «Cordless». Ohne Kabelsalat mixt es sich bei voller Bewegungsfreiheit einfacher und sicherer.


 Zu den beliebten Klassikern der 50er-Jahre gehören Cocktails wie der Ananas-Drink.
Pfiffige Party-Hits

Am Wochenende mag man es gerne gesellig. Partys sind angesagt mit kaltem Buffet zur Selbstbedienung. Platten mit kunstvoll dekorierten Canapés locken, Waldorfsalat. Büchsenspargeln im Schinkenmantel, gefüllte Eier, Russischer Salat und andere Köstlichkeiten. Blickfang jeder kulinarischen Auslage sind gluschtig herzige Igeli. Auf halbierten Früchten stecken Zahnstocher mit Käsewürfeln, Radiesli, Tomatenschnitzen, Trauben und Oliven.

Je heisser die Party, desto grösser die Lust auf coole Drinks: Zu den beliebten Klassikern der 50er-Jahre gehören Bowle (z.B. Betty Bossi Erdbeer-Bowle), Rumtopf oder Cocktails (z.B. Betty Bossi Bellini-Sorbet). Unser Ananas-Drink ist eine Huldigung an das sinnenfreudige Jahrzehnt. In den Gläsern stecken Trinkröhrli. Schirmchen, Blüten, oder aufgespiesste Herzkirschen dekorieren die süffigen Party-Hits.


 Das Idealbild der Hausfrau: So stellten sich viele Leute Betty Bossi vor.
Betty Bossi: Wunderkind der 50er

1956 wird Betty Bossi geboren. Von Beginn an beliebt und begehrt, macht sie flugs Karriere. Als beidseitig bedruckte Zeitungsseite trifft die «Betty Bossi Post» den Nerv der Zeit. Hausfrauen finden darin alles, was sie im Alltag bewegt: Budgetplanung, Strickanleitungen, Haushalttipps und - als Herzstück der Zeitung - neue Rezept- und Menüvorschläge. In den folgenden 55 Jahren gedeiht Betty Bossi zum vielseitigen Talent. Heute gilt sie als Inbegriff kulinarischer Kompetenz. Fazit: Die Betty Bossi Story ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.

Text: Stephanie Riedi


 Grillieren - fürs Bräteln entbrannt.
Glasklar für aufgeweckte Geniesser
Pasta verde: Auf ins Grüne!
Betty Bossi Evergreens
Omeletten: verführerisch fein
Der Dampfkochtopf: Volldampf voraus!
Niedergaren - für die Feste nur das Beste!
Weihnachtsguetzli: Süsse Seelenhäppchen
Flambieren: sinnenfreudiger Feuerzauber
Retro-Küche: fidel-famose 50er-Jahre
Grillieren - fürs Bräteln entbrannt
Leichte Geflügelgerichte
Luftlos kochen - lustvoll geniessen!
Zartes Filet - das Meisterstück!
Beilagen - nicht nur Nebensache!
Gugelhopf: So easy wie noch nie!
Cupcakes: in aller Munde
Edle Öle - fein aromatisiert
Glace-Coupes - ein eiskaltes Vergnügen!
Picknick: Ferienstimmung garantiert!
Das Runde muss ins Eckige!
Rührbraten: Feines im Handumdrehen
Smoothies - mix dich fit!
Fischgenuss für Feinschmecker
Gut gespickt ist das halbe Aroma!
Pasta - je länger, je lieber!
Curry: Kochen und essen für alle Sinne
Kürbis - das Multitalent
Alles Tomate!
Das neue Grillieren: Noch mehr Genuss
Kinder, das esst ihr am liebsten!
Chili - für feurige Genüsse
Tajine - Kochen wie die Nomaden
Cremen - Desserts zum Schwelgen
Thai-Küche: Feuerwerk im Kochtopf
Parfait - das perfekte Dessert
Kaffee - ein Lebensgefühl!
Mezze & Co.: Happening mit Häppchen
Sorbets: Eiskalte Pikanterien
Das neue Grillieren: Noch mehr Genuss
Fussballfans mögens heiss!
Mezze & Co.: Happening mit Häppchen
Zabaglione & Co. - Schaumschlägereien
Ein Traum von einem Schaum
Kombi-Dampfgarer: die Alleskönner
Bistroküche: einmal nach Paris und zurück





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