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Dreikönigskuchen: Königlicher Genuss

König für einen Tag - am 6. Januar hat jede und jeder die Chance dazu! Der Dreikönigstag wird mit einem Kuchen gefeiert, in dem irgendwo ein kleines Königsfigürchen versteckt ist. Der Genuss des mit Hagelzucker oder Mandelplättchen verzierten Gebäcks ist ein feiner, süsser Trost für alle, die am Dreikönigstag auf die Krone verzichten müssen.

König für einen Tag

In welchem Stück wohl der König versteckt ist?

König für einen Tag

Der Dreikönigskuchen ist ein süssliches, brotartiges Festtagsgebäck, das zum 6. Januar, dem Festtag der Heiligen Drei Könige, gebacken wird. Es existieren verschiedene Formen des Dreikönigskuchens. Alle haben jedoch gemeinsam, dass in einem der Stücke ein Gegenstand eingebacken ist, der den Finder zum König des Tages macht.

In der Schweiz werden kleinere Teigkugeln blumenartig um eine grössere im Zentrum angeordnet, währenddem in anderen Ländern ein Ring gebacken wird. Der süssliche Teig wird mit geriebener Zitronenschale aromatisiert und erinnert im Geschmack an Brioches. In der Schweiz werden die Brötchen mit Mandelplättchen oder Hagelzucker dekoriert. Bei uns enthalten auch viele Dreikönigskuchen zusätzlich Rosinen, die in den Teig eingeknetet sind.

Woher kommt der Brauch?

Die drei Könige oder Weisen aus dem Morgenland bringen dem Jesuskind Geschenke: Eine wunderschöne Krippen-Idylle (Bild vergrössern).

Bild: Bergland Krippenfiguren, handgeschnitzt und koloriert. Mit freundlicher Genehmigung von Ars Pro Deo Rickenbach AG, Einsiedeln.

Woher kommt der Brauch?

Schon lange bevor der 6. Januar als christlicher Festtag gefeiert wurde, hatte er in verschiedenen Kulturen und Ländern eine spezielle Bedeutung. Er symbolisierte das Ende der Winterzeit und den Beginn des neuen Jahres, wo in südlichen Regionen auch bereits die Vegetation wieder aufzukeimen begann. Oft wurden an diesem Tag die bösen Wintergeister vertrieben und das Haus mit Weihrauch gereinigt.

In vielen Teilen Europas galt der 6. Januar als offizieller Jahresbeginn, bis 1691 Papst Innozenz XII. den Neujahrstag auf den 1. Januar festlegte.

Schon die Römer zelebrierten ein einwöchiges Fest zu Ehren des römischen Gottes Saturnus für die Aussaat, welches am 6. Januar begann. Dabei war es Brauch, beim grossen Festschmaus um eine zeitlich befristete Königswürde zu würfeln. Angeblich stand die Möglichkeit, König zu werden, auch dem armen Volk offen und selbst der Kaiser unterwarf sich dem erkorenen König für die Tage seiner Regentschaft. In verschiedenen Ländern Europas war es zudem Brauch, an diesem Tag ein Brot zu backen, in dem eine Bohne, eine Erbse, Mandel oder Münze versteckt war, die dem Finder Glück brachte oder ihn für einen Tag zum sogenannten Bohnenkönig machte.

Später brachte die katholische Kirche diesen alten Brauch mit der Geschichte der drei Weisen aus dem Morgenland zusammen. Es entstand der heutige Brauch, bei dem man die Ankunft der drei Könige feiert, indem man ein Brot teilt, in welchem eine kleine Königsfigur versteckt ist.

«Christus segne dieses Haus!»

In vielen Gegenden ziehen junge Sternsinger von Haus zu Haus.

«Christus segne dieses Haus!»

Vor rund 50 Jahren ist der Brauch der Sternsinger entstanden, bei dem Kinder als die Heiligen Drei Könige verkleidet von Haus zu Haus ziehen und Gedichte und Lieder vortragen. Dabei sammeln sie Spenden. Mit einer geweihten Kreide schreiben sie an die Haustüre den traditionellen Haussegen C+M+B mit der jeweiligen Jahreszahl. Die drei Buchstaben stehen nicht für die Initialen der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar, wie man zuerst vermuten würde, sondern für «Christus mansionem benedicat», was auf Lateinisch heisst: «Christus segne dieses Haus!»

Dreikönigskuchen in Europa...

Die Form der Galette des Rois ist anders, gereicht wird sie in Frankreich auch am 6. Januar.

Dreikönigskuchen in Europa...

Frankreich:
In Frankreich wird der Dreikönigskuchen Galette des Rois genannt und ist ein runder Fladen aus Blätterteig, aus dem ähnlich wie bei einer Wähe Stücke herausgeschnitten werden. Der Süden Frankreichs und die Provence haben ihre eigene Form von Dreikönigskuchen, die sie Gâteau des Rois nennen. Im Vergleich zur Galette des Rois ist dies ein ringförmiger Kuchen, dessen Teig mit Orangenblüten aromatisiert wird. Der Gâteau des Rois wird zusätzlich mit kandierten Früchten dekoriert im Vergleich zur eher schlichten Galette des Rois.

Eine noch edlere Version ist die Galette des Rois à la frangipane, die eine Füllung aus geriebenen Mandeln, Zitronenschalen, Zucker, Butter und Eiern enthält. Im Elsass sind ebenfalls ring-, kranz- und zopfförmige Dreikönigskuchen aus luftigem Briocheteig verbreitet.

Spanien:
In Spanien wird der sogenannte Roscon de Reyes in der Nacht vom 5. Januar oder am Morgen des 6. Januars zusammen mit heisser Schokolade serviert. Am Dreikönigstag erhalten die Kinder in Spanien ihre Weihnachtsgeschenke, und zwar von den Reyes Magos - den Weisen, und nicht wie bei uns vom Christkind. Diese Idee stammt noch davon ab, dass die drei Weisen aus dem Morgenland dem neugeborenen Kind Geschenke mitbrachten. In den Roscon de Reyes wird eine Porzellanfigur eines Babys in Aluminiumfolie gewickelt und eine trockene Bohne eingebacken. Wer das Baby in seinem Stück findet, wird im kommenden Jahr Glück haben und König für den Tag sein. Wer die Bohne findet, muss für den Roscon de Reyes bezahlen.

Portugal:
Der Bolo Rei wird zwischen dem 25. Dezember und dem 6. Januar in Portugal serviert. Der Bolo Rei ist ein Ring, der die Königskrone symbolisiert und mit kandierten und getrockneten Früchten geschmückt wird. Der Teig enthält Rosinen, Nüsse und kandierte Fruchtstücke. Heute enthält der Bolo Rei nur noch eine Bohne, deren Finder den Kuchen für das nächste Jahr spendieren muss. Früher wurde jeweils auch noch ein Metallspielzeug als Preis eingebacken.

... und in Übersee

«Rosca de reyes» mit kandierten Früchten wird in Mexiko zu Ehren der Drei Könige gebacken.

... und in Übersee

Mexiko:
Wer in Mexiko die kleine Jesusfigur in seinem Kuchenstück findet, muss am 2. Februar eine Party geben, an der Tamales (gefüllte Maisteigtaschen) und Atole (ein heisses südamerikanisches Getränk aus Maismehl, gesüsstem Wasser, Zimt und Vanille) serviert werden.

USA:
In Amerika ist der Brauch des Dreikönigskuchens vor allem im Süden in der Region um New Orleans bekannt. Spanische und französische Siedler brachten den Brauch im 18. Jahrhundert mit ihrer Übersiedlung mit nach Amerika. Serviert wird der Kuchen an den sogenannten King Cake Parties zum Start des Mardi-Gras-Karnevals am 6. Januar. Hier ist der Dreikönigskuchen ein geflochtener Ring aus Briocheteig, der mit einem Zuckerguss überzogen und in den drei traditionellen Karnevalsfarben Violett, Grün und Gold gefärbt ist. Zum Teil enthält der King Cake eine Füllung aus Cream Cheese oder Pralinémasse.

Text: Jeannine Hegelbach

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Beim gekauften Dreikönigskuchen wird offenbar Bescheidenheit belohnt: Laut Kennern befindet sich das Figürchen meist in der kleinsten Kugel des Kuchens. Durch die Platzierung geht der Hefeteig ein bisschen weniger auf als bei den anderen Teilen. Genügsamkeit macht demnach Könige!

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