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MagazinDossiersVolle «Grünkraft» voraus!

Volle «Grünkraft» voraus!

Am Gründonnerstag ist es endgültig Zeit, den Winter hinter sich zu lassen und sich an der neu erwachten Natur zu freuen. Noch heute ist es vielerorts Brauch, Gerichte zu essen, die viel Grün enthalten, zum Beispiel eine Kräutersuppe. Das älteste Rezept ist mehr als tausend Jahre alt. Nutzen auch Sie die Gelegenheit, Grünkraft zu tanken, denn sie schmeckt nie besser als jetzt!

Gründonnerstag: Der Name ist Programm

Kräuterspätzli: Mit dieser Grünkraft tankt man Energie für das junge Jahr.

Gründonnerstag: Der Name ist Programm

Immer mehr knackige Salate und frische Kräuter bereichern jetzt das Marktangebot. An Ostern ist es endgültig Zeit, dem Winter Lebewohl zu sagen und sich an der neu erwachten Natur zu freuen. Den Auftakt macht der Gründonnerstag. Sein Name ist Programm, auch wenn der Donnerstag vor Ostern bei uns kein gesetzlicher Feiertag ist.

Am Gründonnerstag gedenken gläubige Christen des letzten Abendmahls von Jesus mit seinen Jüngern. Und es ist noch heute vielerorts Brauch, Gerichte zu essen, die viel Grün enthalten. Diese Tradition geht auf viel ältere Vorstellungen zurück: Mit der Grünkraft wollte man den Körper reinigen und Energie für das junge Jahr tanken.

Auf was immer man sich auch bezieht: Grün gilt als Farbe der Hoffnung. Nach dem Winter stimmt uns das erste Frühlingsgrün optimistisch. Zudem verkörpert Grün alles Natürliche, Gesunde, Lebendige und Frische.

Rezept: Bärlauchspätzli

Vom Fasten zum Festen

Nach dem Fasten folgt der langsame Wiederaufbau, zum Beispiel mit einem Kräuterrisotto.

Vom Fasten zum Festen

Für gläubige Katholikinnen und Katholiken fällt der Gründonnerstag noch in die Fastenzeit - diese geht erst am Karsamstag zu Ende. Als die Fastenregeln noch sehr streng waren, stärkte man sich gerne mit dem ersten frischen Grün, das die Natur zu bieten hatte. Aber auch ernährungsbewusste Menschen, die mit Religion nicht viel am Hut haben, nutzen die Wochen vor Ostern gerne für eine vitalisierende Frühjahrskur. Die frischen Kräuter, die jetzt spriessen, können dabei unterstützend wirken, denn sie regen die Drüsen an, reinigen das Blut und treiben den Winter aus dem Körper.

Sollten Sie, aus welchen Gründen auch immer, gefastet oder gekurt haben, dann achten Sie darauf, dass Sie sich vom Fastenbrechen bis zum Festmahl langsam wieder aufbauen! Auf keinen Fall sollten Sie von null auf hundert umschalten und nach der Saftkur gleich einen üppigen Dreigänger verspeisen. Am besten kombinieren Sie Ihr Ostermenü mit viel frischem Frühlingsgrün. Das hat dann nicht nur für Sie, sondern für Ihre ganze Familie eine gesundheitsfördernde Wirkung.

Kräuterkraft aus dem Suppentopf

Wie viele und welche Kräuter Sie nehmen, spielt letztlich keine Rolle: Hauptsache, das Kräutersüppchen schmeckt.

Kräuterkraft aus dem Suppentopf

Ein bekanntes Gründonnerstagsgericht ist heute noch eine Kräutersuppe mit sieben, neun oder gar zwölf verschiedenen Kräutern. Diese Frühlingssuppe ist seit Jahrhunderten bei den einfachen Leuten weit verbreitet und beliebt. Eines der ältesten Rezepte der Neunkräutersuppe (auch Neunstärke genannt) ist im elften Jahrhundert aufgeschrieben worden. Es enthielt Giersch (Geissfuss), Löwenzahn, Taub- und Brennnessel, Schafgarbe, Sauerampfer, Sauerklee, Tripmadam (Salat-Fetthenne) und Gänseblümchen. Als Varianten wurden auch Bärlauch, Vogelmiere, Sellerie, Beifuss, Schnittlauch, Petersilie, Lauch, Spinat und Wegerich genannt. Die Zutaten in den Rezepten variieren stark. Das liegt daran, dass Ostern ein variabler Feiertag ist, der noch nach dem alten Mondkalender bestimmt wird. Je nachdem, auf welches Datum er fällt, ist auch das Angebot an Kräutern verschieden. Für unser luftiges Kräutersüppchen, können Sie diejenigen Kräuter nehmen, die Sie gerade zur Hand haben.

Rezept: Cappuccino verde

Die Wilden: von Bärlauch bis Veilchen

Die jungen Brennnesselblätter verleihen den Teigwaren ein kräftiges, würziges Aroma.

Die Wilden: von Bärlauch bis Veilchen

Wenn Sie selber Kräuter sammeln möchten, dann sollten Sie zwei Dinge beachten. Erstens: Pflücken Sie nur Kräuter, die Sie mit Sicherheit kennen! Zweitens: Sammeln Sie nicht entlang von stark befahrenen Strassen und Bahndämmen sowie auf beweideten und gedüngten Wiesen. Im Folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Frühlingskräuter. Die meisten davon bekommen Sie übrigens auch auf Wochenmärkten.

  • Bärlauch
    Nicht mit giftigen Maiglöckchen- oderHerbstzeilosenblättern verwechseln! Wächst an feuchten und schattigen Lagen.
    Küchenpraxis: Roh verwenden, erhitzt verliert er sein würziges Aroma.
    Rezept: Bärlauchspätzli
  • Brennnessel
    Wächst an Wegrändern. Beim Pflücken Handschuhe tragen!
    Küchenpraxis: Zarte, junge Blättchen zubereiten wie Spinat. Der Geschmack ist ähnlich, jedoch kräftiger und würziger.
  • Brunnenkresse
    Nur noch selten wild anzutreffen. Wächst an langsam fliessenden, klaren Gewässern.
    Küchenpraxis: Möglichst roh verwenden, z.B. als Salat oder zu Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat. Herbes, pfeffriges Aroma.
    Rezept: Rindshuft mit Brunnenkresse-Sauce
  • Gänseblümchen
    Wächst auf Grasflächen, Wiesen und Weiden.
    Küchenpraxis: Blätter und Blüten für Salate, Suppen und Eierspeisen. Leicht nussiger Geschmack.
  • Löwenzahn
    Wächst auf Wiesen, Feldern und an Wegrändern. Blattrosetten mit der Pfahlwurzel ausstechen.
    Küchenpraxis: Als Salat, z.B. mit Speckwürfeli, Knoblauch-Croûtons und/oder hart gekochten Eiern, geniessen. Zartbitterer Geschmack.
    Rezept: Löwenzahnsalat mit Speck und Frischkäse
  • Pimpernell
    Wächst auf Magerwiesen.
    Küchenpraxis: Nur roh verwenden. In Salat und Suppen. Frisch-würziger, leicht nussiger Geschmack.
  • Sauerampfer
    Wächst an feuchten Wegrändern und in Wiesen. Erkennbar an den charakteristischen rötlichen Stielen.
    Küchenpraxis: Kann roh oder gekocht genossen werden. Leicht säuerlicher, sehr pikanter Geschmack.
  • Veilchen
    Verbirgt sich gern in Hecken und an Zäunen.
    Küchenpraxis: hübsche Dekoration für Desserts. Leicht süssliches Aroma.
Zu Unrecht als Unkraut verhasst

Vogelmiere (links) und Giersch: ungeliebte Unkräuter im Garten, kulinarische Köstlichkeiten auf dem Teller.

Bilder: Beat Ernst, Basel

Zu Unrecht als Unkraut verhasst

Haben Sie sich auch schon über unausrottbares Unkraut in Ihrem Garten geärgert? Vielleicht können Sie sich mit ihm versöhnen, wenn Sie es zu einem schmackhaften Gericht zubereiten und essen! Denn Liebe geht schliesslich durch den Magen ... Und auf diese Weise werden Sie es erst noch elegant los - ohne grössere Anstrengung und stundenlanges Bücken!
 

  • Giersch / Geissfuss
    Praktisch unausrottbares Unkraut, das mit seinen unterirdischen Ausläufern schnell grosse Flächen überwuchert. Nicht mit giftigem Schierling oder Riesen-Bärenklau verwechseln!
    Küchenpraxis: Allein oder gemischt mit anderen Kräutern als Salat, Suppe oder Gemüse. Die würzigen Blätter schmecken ähnlich wie Rüebli.
  • Vogelmiere
    Lästiges Unkraut, das sich schnell ausbreitet und kleine Rasenteppiche bildet. Die Vogelmiere lässt sich zwar leicht ausreissen, aber da sie selbst bei kühlen Temperaturen weiterwächst, ist sie nur schwer unterzukriegen.
    Küchenpraxis: Die Pflanze mit den Blüten als Suppe oder Gemüse geniessen. Wegen ihres milden Geschmacks wirkt sie in Kombination mit bitteren oder scharfen Wildkräutern ausgleichend.
Hausapotheke aus der Natur

Gänseblümchen sind nicht nur eine hübsche Salatdekoration, sie helfen auch irritierter Haut.

Hausapotheke aus der Natur

Die meisten Kräuter fanden früher nicht nur in der Küche Verwendung, sondern waren auch als Hausmittel in der Volksmedizin gefragt. Diese Hausapotheke aus der Natur hatte den Vorteil, dass sie praktisch vor der Haustüre wuchs und erst noch kostenlos war. Viele Frühlingskräuter eignen sich bestens für eine blutreinigende Frühjahrskur. Man braucht nichts weiter zu tun, als jeden Tag etwas davon zu essen!
 

  • Brunnenkresse
    Blutreinigend, stoffwechsel- und wassertreibend. Das frische Kraut, zerstossen und aufgelegt, soll zudem Hautunreinheiten und Sommersprossen vertreiben.
  • Gänseblümchen
    Für eine Blutreinigungskur werden die klein gehackten Blätter täglich in den Salat oder in Quark gemischt. Der Saft der gequetschten Blätter und Blüten hilft auch irritierter Haut.
  • Giersch
    Ein Umschlag aus frischen, zerquetschten Blättern hilft bei kleineren Hautverletzungen, Insektenstichen, Verbrennungen und gichtigen Gelenken.
  • Löwenzahn
    Vor allem in Frankreich ist der Salat wegen seiner harntreibenden Wirkung beliebt. Deshalb wird er dort auch Pissenlit (Bettnässer) genannt.
    Rezept: Löwenzahnsalat mit Speck und Frischkäse
  • Sauerampfer
    In der Volksmedizin hauptsächlich für blutreinigende Frühjahrskuren verwendet. Zerhackte oder zerriebene Blätter wirken als Auflage wundheilend.
  • Veilchen
    Veilchensirup ist ein gutes Hustenmittel für Kinder, Veilchentee ein gutes Gurgelmittel bei Halsweh.
  • Vogelmiere
    Zusammenziehend, wundheilend, kühlend, blutreinigend und besänftigend.

 

Mehr Informationen über den Einsatz von Wildpflanzen in der Freizeit, im Sport und auf Reisen finden Sie im praktischen Ratgeber von A. Vogel Kleine Outdoor-Apotheke.

Text: Daniela Rinderknecht

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