Tea Time: Höchste Zeit für eine Tasse Tee

Tea Time: Höchste Zeit für eine Tasse Tee

Was haben die Chinesen und die Engländer gemeinsam? Sie trinken viel und gerne Tee. Während man in China Grüntee bevorzugt, mag man in Grossbritannien am liebsten Schwarztee mit etwas Milch. Welchen Sie bevorzugen, spielt keine Rolle, denn bei einer Tasse Tee lassen sich alle Probleme lösen. Das sagen zumindest die Engländer, und als leidenschaftliche Teetrinker müssen die es ja wissen!

Bild: Shutterstock

Der erste Teetrinker der Welt

Eine Legende erzählt, dass der chinesische Kaiser Shen Nung im Jahr 2737 vor Christus im Schatten eines Baumes Wasser kochte, als zufälligerweise ein Blatt von einem Strauch in seinen Topf flatterte. So wurde der Herrscher zum ersten Teetrinker der Welt. Ob ihm der Trunk geschmeckt hat, ist nicht überliefert. Aber eines scheint klar zu sein: Es muss sich um Grüntee gehandelt haben. Denn den Engländern gelang es erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Fermentation Schwarztee herzustellen.

Schwarzer, grüner und weisser Tee

Sie stammen alle von derselben Pflanze (Camellia sinensis) ab. Der Unterschied liegt in der Verarbeitung: Der Schwarztee wird fermentiert und erhält dabei die rotbraune Farbe und die Feinheit des Aromas. Beim Grüntee wird der Fermentationsprozess bewusst unterbunden, indem die Blätter durch sofortiges Erhitzen getrocknet werden. Je nach Herstellungsland werden sie luftgetrocknet, gedämpft oder geröstet.

Der weisse Tee gilt als edelste Teesorte der Welt. Er verdankt seinen Namen seinem Aussehen: Die Blattknospen sind von einem silbrig glänzenden Flaum umgeben. Verwendet werden nur die ungeöffneten Knospen. Sie werden einzeln von Hand gepflückt, an der Luft getrocknet und danach nur kurz erhitzt. Durch die besonders schonende Verarbeitung erhält der weisse Tee seine exklusive Note und kostet auch entsprechend mehr. Da er nicht bitter wird, kann er sogar mehr als einmal aufgegossen werden.

Für den exklusiven weissen Tee werden die ungeöffneten Blattknospen von Hand gepflückt.
Für den exklusiven weissen Tee werden die ungeöffneten Blattknospen von Hand gepflückt.

Der Mann, der dem Earl-Grey-Tee seinen Namen gab

Der beliebte Earl-Grey-Tee, eine mit Bergamotte-Öl aromatisierte Mischung, geht auf Charles, den zweiten Earl Grey (1764–1845) zurück. Ein chinesischer Mandarin soll sie auf das Quellwasser des Familiensitzes Howick Hall in Nordengland abgestimmt haben. So erzählen seine Nachfahren, die noch heute dort leben, die Geschichte. Eine andere Version berichtet von einem Schiffsunglück, bei dem Tee mit Bergamotteöl in Kontakt kam. Wahrscheinlich war es einfach ein diplomatisches Geschenk.

Der Earl ging aber nicht nur als Teetrinker in die Geschichte ein, sondern auch als Aussen- und später Premierminister, der wichtige Reformen wie die Abschaffung der Sklaverei im gesamten Königreich durchsetzte. Am Regierungssitz in London bewirtete seine Frau die zahlreichen Gäste aus der Politik mit dem speziellen Tee. Er schmeckte ihnen so gut, dass ihn bald alle kaufen wollten. Twinings, bis heute der Hoflieferant für Tee, brachte die Mischung schliesslich erfolgreich auf den Markt. Für Lady Grey, die ihren Tee lieber fruchtiger mochte, kreierte Twinings später den Lady-Grey-Tee, eine Mischung chinesischer Teesorten mit Orangen- und Zitronenschale, abgerundet mit Bergamotte-Aroma. Earl-Grey-Tee ist noch immer eine der beliebtesten Teesorten. Inzwischen gibt es auch eine Grüntee-Variante mit Bergamotte-Öl.

Teeliebhaberinnen und -liebhaber können den Tee stilecht im Earl Grey Teahouse von Howick Hall Gardens trinken. Auf einem Rundgang durch die ausgedehnte Parkanlage können sie sich vorher den nötigen Appetit für die Köstlichkeiten erarbeiten, die zum Afternoon oder Cream Tea serviert werden. Infos: howickhallgardens.com.

Hier ein Rezept für zu Hause: Earl-Grey-Tee verleiht der cremigen Füllung dieser Tarte eine feine Zitrusnote.

Rezept: Crème-brulée-Tarte (mit Earl-Grey-Tee)

Howick Hall Gardens: Earl-Grey-Tee trinken und die Blütenpracht im Park bewundern. Bild: Shutterstock
Howick Hall Gardens: Earl-Grey-Tee trinken und die Blütenpracht im Park bewundern. Bild: Shutterstock

Vom Afternoon zum Cream Tea

Im 18. Jahrhundert änderten sich die Ernährungsgewohnheiten im Vereinigten Königreich. Man frühstückte ausgiebig, liess das Mittagessen aus und nahm das Abendessen erst spät ein. Da reichte es nicht mehr, bloss Tee zu trinken; der Hunger musste mit «etwas dazu» überbrückt werden. Die Herzogin von Bedford war eine der ersten, die 1840 ihre Freundinnen zu Tee, Butter und Brot einlud. Erst nach und nach kamen dann weitere Süssigkeiten und Leckereien dazu. In der viktorianischen Zeit wurde der Afternoon Tea zur wichtigsten Institution des öffentlichen Lebens.

  • Afternoon Tea
    Ursprünglich auf vier Uhr nachmittags angesetzt, wird der Termin heute flexibler gehandhabt. In den Salons der Londoner Grandhotels und in Luxuswarenhäusern wie Harrods oder Fortnum & Mason kann man seinen Afternoon Tea schon ab Mittag und bis in den späten Abend geniessen. Neben einer Auswahl verschiedener Tees gibt es viele Arten von Sandwiches, Scones mit Clotted Cream (eingedickter Rahm) und Erdbeerkonfitüre, Sandgebäcke (Shortbread) und kleine Kuchen mit Cremefüllungen.
  • High Tea
    Vollständige Abendmahlzeit, zu der neben Tee kalter Braten, Rührei, Schinken, Salat, Obst und Kuchen serviert werden.
  • Cream Tea
    Süsser Imbiss, zu dem neben Tee süsses Gebäck wie Scones mit Clotted Cream und Erdbeerkonfitüre serviert werden.
  • Tea
    Wenn Sie ein Engländer zum Tea einlädt, wird er Ihnen nicht nur eine Tasse Tee servieren, sondern ein Abendessen. Was nicht ausschliesst, dass dieses von einer Tasse Tee begleitet wird.

Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Beitrag Time for Tea, Gebäck und gute Gespräche.

Rezepte

 

Beim Afternoon Tea wird nicht nur Tee getrunken, sondern auch Feines gegessen.
Beim Afternoon Tea wird nicht nur Tee getrunken, sondern auch Feines gegessen.

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Wie trinkt man den Tee anderswo?

  • In China, Japan und Südostasien trinkt man grünen Tee - ohne Zucker und ohne weitere Zusätze.
  • In Nordafrika trinkt man eine Mischung aus Pfefferminz- und Grüntee, die sehr stark gesüsst wird.
    Rezept: Thé à la menthe
  • In Russland trinkt man schwarzen Tee, der stundenlang gekocht wird. Dazu geniesst man löffelweise Konfitüre oder eine Scheibe Zitrone.
  • In der Türkei trinkt man schwarzen Tee, stark gesüsst und ebenfalls mit Zitrone.
  • In England trinkt man Schwarztee mit Milch und Zucker. Noch immer sind indische Teesorten oder verschiedene Mischungen (Blends) wie zum Beispiel English Breakfast am beliebtesten. In einem guten Tea Room oder Café darf es auch mal Earl Grey, Darjeeling oder Assam sein.
Der marokkanische Thé à la menthe ist eine Mischung aus Pfefferminz- und Grüntee.
Der marokkanische Thé à la menthe ist eine Mischung aus Pfefferminz- und Grüntee.

Was ist Matcha?

Matcha ist zu feinstem Pulver vermahlener Grüntee, der traditionell in der japanischen Teezeremonie verwendet wird. Für diese Spezialität kommen nur Teepflanzen in Frage, die in eigens angelegten Teegärten mindestens einen Monat vor der Ernte im Schatten wachsen. Die Teeblätter werden wie vor 800 Jahren in einer Granitsteinmühle langsam zu einem grün-leuchtenden Pulver gemahlen. Da die Ausbeute sehr gering ist, kostet eine 30-Gramm-Dose an die 20 Franken.

Anders als bei herkömmlichen Tees macht man von Matcha keinen Aufguss, sondern vermischt das Pulver mit Wasser. So nimmt der Körper das gesamte Blatt mit all seinen wohltuenden Wirkstoffen auf. Durch die einzigartige natürliche Balance von Koffein, Polyphenolen (Antioxidantien) und Aminosäuren wirkt Matcha anregend und belebend, beruhigt aber gleichzeitig die Nerven und baut Stress ab. Matcha enthält 10- bis 15-mal mehr Nährstoffe als gewöhnlicher Grüntee. Eine Tasse Matcha entspricht in etwa zwei Litern Grüntee. Das ist gut zu wissen, denn wer schafft schon zwei Liter Grüntee am Tag!

In der japanischen Teezeremonie wird das Pulver traditionellerweise mit einem Bambusbesen aufgeschlagen. Matcha kann aber nicht nur als Tee genossen werden, sondern lässt sich gut in einen Smoothie oder ein Müesli mixen und verfeinert sogar Desserts und Gebäck.

Rezepte

Beliebt in grünen Smoothies: das Grünteepulver Matcha.
Beliebt in grünen Smoothies: das Grünteepulver Matcha.

Der perfekte Teegenuss

Für den perfekten Teegenuss gilt es ein paar einfache Regeln zu beachten:

  • Aufbewahren
    Tee dunkel, kühl und gut verschlossen aufbewahren.
  • Wasserqualität
    Immer frisches, kaltes Leitungswasser verwenden.
  • Vorbereiten
    Kanne und Tassen mit heissem Wasser vorwärmen, damit der Tee nach dem Aufgiessen länger warm bleibt.
  • Menge
    Die benötigte Teemenge variiert je nach Wasserqualität. Als Faustregel gilt ein Teelöffel oder ein Beutel pro Person und Tasse. Falls der Tee in einer Kanne zubereitet wird, gibt man noch einen zusätzlichen Teelöffel oder Beutel für die Kanne hinein.
  • Zubereiten
    Schwarztee mit sprudelnd heissem Wasser übergiessen. Um die empfindlichen Blätter des grünen und des weissen Tees nicht zu zerstören, muss das Teewasser nach dem Aufkochen auf ca. 80 Grad abgekühlt werden.
  • Ziehen lassen
    Ein kurzes Ziehenlassen von zwei bis drei Minuten wirkt wegen des überwiegenden Anteils an Koffein anregend auf das Zentralnervensystem. Tee, der vier bis fünf Minuten gezogen hat, hat dagegen einen beruhigenden Einfluss auf den Magen-Darm-Trakt, da nun der Gerbstoffanteil überwiegt.
  • Stärke
    Wenn Ihnen der Tee zu stark oder zu schwach ist, passen Sie die Teemenge an. Zu starker Tee kann mit heissem Wasser verdünnt werden.
  • Servieren
    Grüner und weisser Tee werden pur getrunken, also ohne Milch und Zucker.
  • Reinigen
    Der Geschirrspüler ist für Teekannen tabu. Einfach mit warmem Wasser ausspülen und kein Spülmittel verwenden.

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Die Erfindung des Teebeutels

Der Teebeutel wurde durch ein Missverständnis erfunden. 1904 verschickte der New Yorker Teehändler Thomas Sullivan seinen Kunden in Seidensäckchen eingenähte Teemuster zum Ausprobieren. Statt diese aufzuschneiden und wie üblich lose aufzugiessen, hängten die Kunden das ganze Teesäckchen ins heisse Wasser - und waren begeistert. Der Brite John Horniman entwickelte darauf ein versiegeltes Papiertütchen, das allerdings nach Klebstoff schmeckte. Der Teebeutel konnte sich noch nicht durchsetzen und geriet sogar für längere Zeit in Verruf.

Als Erfinder des Teebeutels, wie wir ihn heute kennen, gilt der Mechaniker Adolf Rambold. Für die Firma Teekanne in Dresden entwickelte er 1929 nicht nur die erste Teebeutelpackmaschine, sondern zwanzig Jahre später auch den Doppelkammerbeutel. Seine Innovation: Der Tee wird in zwei Kammern abgefüllt und dadurch vom heissen Wasser optimal umspült, so dass sich das Aroma voll entfalten kann.

Unsere süssen Teebeutel schmecken herrlich zu einer Tasse Tee:

Rezept: Teebeutelchen

Der Doppelkammerbeutel (l.) wurde 1949 von Adolf Rambold erfunden. Heute gibt es auch Teebeutel in Pyramidenform (r.).
Der Doppelkammerbeutel (l.) wurde 1949 von Adolf Rambold erfunden. Heute gibt es auch Teebeutel in Pyramidenform (r.).

Warum Tee nicht nur munter macht

Aktuelle Studien lassen vermuten, dass die in Schwarz- und Grüntee enthaltenen Antioxidantien eine gute Schutzwirkung gegen Herz- und Kreislauferkrankungen haben. Spannend ist aber auch, dass Tee sowohl eine anregende als auch eine beruhigende Wirkung hat. Ein Widerspruch? Nein, das lässt sich so erklären: Die belebende Wirkung kommt vom Koffein (im Volksmund Tein oder Thein genannt). Es ist identisch mit dem im Kaffee enthaltenen Koffein. Im Gegensatz zum Kaffee gelangt das Koffein des Tees nicht über das Herz in den Kreislauf, sondern wirkt direkt auf das Gehirn und das zentrale Nervensystem ein. Die Gerbstoffe beruhigen gleichzeitig Magen und Darm und bremsen die Wirkung des Koffeins, sodass die anregende Wirkung des Tees länger anhält als beim Kaffee.

Im Vergleich mit anderen koffeinhaltigen Getränken liegt Schwarztee hinter dem Kaffee, enthält aber mehr Koffein als Cola und Kakao. Grüntee weist einen etwas geringeren Koffeingehalt aus, den tiefsten Gehalt hat weisser Tee.

 

Text: Daniela Rinderknecht | Barbara Rigert Lehmann

20. Februar 2019