Schwarzwälder Kirschtorte – bitte mit Sahne!

Schwarzwälder Kirschtorte – bitte mit Sahne!

Schokolade, schwarz wie dichter Wald, blütenweisser Rahm und rote Kirschen – die Schwarzwälder Kirschtorte ist schon zum Anschauen ein Genuss! Die verführerische Torte ist süss wie ein Schwarzwaldmädel, und wer ihr zu sehr zuspricht, dem verdreht sie mit viel Kirschwasser den Kopf – sie ist eine Sünde wert!

Wie kam die Torte ins Morgenland?

Die unwahrscheinlichste Geschichte um die Entstehung der Schwarzwälder Kirschtorte, so heisst sie nämlich korrekt, führt uns in eine Gegend, die Rahm nicht in ihrer Küche einsetzt: Die Frauen eines persischen Harems sollten an der einst geschätzten Leibesfülle zunehmen, so habe ein Eunuch dafür die Schwarzwälder Kirschtorte entwickeln lassen. Wie der Kirsch ins Morgenland gekommen sein soll, darüber schweigt die Fabel leider ...

Realistischer ist der Ursprung der Schwarzwälder Kirschtorte doch eher in Deutschland, schliesslich gilt die Schwarzwälder Kirschtorte als Inbegriff einer deutschen Torte überhaupt, und zwar seit Jahrzehnten.

Eine Schwarzwälder Kirschtorte ist eine Rahmtorte, die sich seit den 1930er-Jahren vor allem in Deutschland verbreitet hat, sie ist selbst weltweit bekannt. Ihre wesentlichen Bestandteile sind die mit Kirsch aromatisierten Schokoladebiskuitböden - die deutschen Rezepte sind mit dem Kirsch recht grosszügig -, viel Schlagrahm, Kirschen und geraspelte Schokolade als Verzierung.

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Schwarz wie der Wald

Die genauen Ursprünge sind nicht ganz klar. Ganz einfach wäre die Erklärung, dass die Torte im Schwarzwald erstmals hergestellt wurde. Doch es gibt weitere Theorien: Die dunklen Schokoladenraspel sollen an die Baumstämme in einem «schwarzen Wald» erinnern.

Weiter könnte auch die Zutat Kirschwasser zum Namen geführt haben, denn dieses wird in Deutschland hauptsächlich im Schwarzwald gebrannt. Der Schwarzwald ist eines der wichtigen Kirschengebiete Deutschlands. Möglich wäre auch die Schwarzwälder Frauentracht als Namensgeber: Das Kleid ist schwarz wie Schokolade, die Bluse weiss wie Rahm, und der Hut besteht aus einem weissen Untergrund mit roten Kugeln, die stark an Kirschen erinnern.

Die wahre Schwarzwälder Kirschtorte

In ihrem Heimatland hielt man im Jahre 2003 offiziell fest, wie die Torte zu sein hat: «Schwarzwälder Kirschtorten sind Kirschwasser-Sahnetorten oder Kirschwasser-Butterkremtorten, auch deren Kombination. Als Füllung dienen Butterkrem und/oder Sahne, teilweise Ganache sowie Kirschen, auch als Stücke in gebundener Zubereitung. Der zugesetzte Anteil an Kirschwasser ist geschmacklich deutlich wahrnehmbar. Für die Krume werden dunkle und/oder helle Wiener- oder Biskuitböden verwendet. Die Masse für die dunklen Böden enthält mindestens drei Prozent Kakaopulver oder stark entölten Kakao. Für den Unterboden wird auch Mürbeteig verwendet. Die Torte wird mit Butterkrem oder Sahne eingestrichen, mit Schokoladenspänen garniert.»

Und nur eine solche Torte darf in Deutschland als «Schwarzwälder Kirschtorte» bezeichnet werden. Über die Art der Kirschen schweigt die Beschreibung. Bevorzugt werden im Allgemeinen Sauerkirschen aus dem Glas oder tiefgekühlt, also Weichseln, verwendet, doch auch kandierte Kirschen finden ihren Weg in diese Torte. In gewissen Rezepten taucht auch Kirschenmarmelade auf, welche die Früchte ersetzen kann.

Für die Schwarzwäldertorte werden meist <b>Sauerkirschen aus dem Glas</b> verwendet.
Für die Schwarzwäldertorte werden meist Sauerkirschen aus dem Glas verwendet.

Ein Erfolg mit diversen «Vätern»

Der erste Konditor, der sich als «Vater» der Schwarzwälder Kirschtorte bezeichnet, behauptet, dass er sie 1915 in der Nähe von Bonn erfunden habe. Der Tübinger Stadtarchivar Udo Rauch widerspricht ihm, er hat Hinweise gefunden, dass ein Tübinger Konditormeister die Schwarzwälder Kirschtorte im Frühling 1930 erfunden hat.

Vier Jahre später war das Rezept in einem Fachbuch für Konditoren nachzulesen. In den folgenden Jahren wurde die Torte in den besseren Konditoreien Deutschlands, Österreichs und der Schweiz bekannt. Nach 1950 gewann sie an weltweiter Bekanntheit, das Rezept wurde zum Teil auch abgewandelt, einzelne Zutaten wurden ersetzt, der Kirsch auch mal weggelassen.

<b>Schwarzwälder Würfel</b> – nur eine von zahlreichen Rezept- Varianten.
Schwarzwälder Würfel – nur eine von zahlreichen Rezept- Varianten.

Schwarzwälder Torten für Schweizer Gaumen

Bei Schwarzwälder Torten, die in der Schweiz hergestellt werden, ist der Kirschgeschmack eher dezent bis gar nicht vorhanden. Schon 1936 erschien das Rezept einer «Schwarzwälder Kirschsahne-Torte» in einer Schweizer Publikation. Ein Konditorei-Fachblatt behauptete Jahre später sogar, diese gluschtige Torte sei ein Schweizer Produkt, denn die Zutaten seien typisch schweizerisch.

Schon um den Ersten Weltkrieg herum entstand in der Schweiz ebenfalls eine spezielle Torte mit Kirsch, die berühmte Zuger Kirschtorte, gemacht mit Buttercreme  und in diesem Fall gern mit reichlich Kirsch.

Torten mit Rahm, hergestellt vom Fachmann, sind seit dem 19. Jahrhundert bekannt, schwierig war lange das Schlagen des Rahms, erst nach 1900 wurden dazu Schwingbesen verwendet. Rahmtorten schmecken frisch am besten.

Wir Schweizerinnen und Schweizer sind Cake-Fans – logisch, dass wir die berühmte Torte auch als Cake mögen!

Text: Alexandra M. Rückert
aktualisiert: 17. August 2020