Currywurst: Snack mit Kultcharakter

Die Currywurst ist in Deutschland so beliebt wie bei uns der Cervelat. Schon lange streiten sich Berlin und Hamburg darüber, in welcher der beiden Städte die legendäre Wurst erfunden worden sei. Uns ist dieser Streit aber Wurst: Wir servieren Ihnen patente Geschichten rund um die Currywurst.

Die Geschichte der Currywurst

Dieses nostalgische Schild an einer Hausecke in Berlin-Charlottenburg weist auf den Standort von Herta Heuwers legendärem Imbissstand hin.

Die Geschichte der Currywurst

Es wird immer noch eifrig diskutiert, ob die Currywurst tatsächlich in Berlin erfunden wurde oder nicht. Auch Hamburg und das Ruhrgebiet kennen ihre Variante der Wurst und beanspruchen die Urheberrechte für sich. Tatsache ist: Erfunden wurde die Currywurst im Berlin der Nachkriegszeit.

Unter dem kulinarischen Einfluss der damals in der Stadt stationierten Amerikaner, die gerne Steak mit Ketchup assen, kam die Berliner Imbissbesitzerin Herta Heuwer (1913-1999) im Jahr 1949 auf die Idee, in ihrer «Schnell-Imbiss-Stube» eine Bratwurst mit roter Sauce anzubieten, die sie aus verschiedenen Zutaten - einschliesslich Currypulver - mixte. So entstand in Berlin-Charlottenburg die «erste Currywurst Braterei der Welt», die bald so einen Erfolg hatte, dass sie in ein grösseres «Ladenlokal mit Garküche» an den Stuttgarter Platz umzog, Tag und Nacht geöffnet war und bis zu 20 Angestellte beschäftigte.

So will es wenigstens der Mythos. Die Berliner Autorin Petra Foede kommt jedoch in ihrem E-Book Wie der Earl das Sandwich entdeckte zum Schluss, dass sich die reale Geschichte ganz anders abgespielt hat. Die Erfindung der Currywurst sei nicht einer bestimmten Person in den Schoss gefallen, sondern sei das Resultat eines gemeinsamen Pröbelns und Bastelns verschiedener Wurstverkäufer gewesen.

Wie auch immer: Von Berlin aus hat die Currywurst in den 1960er und 1970er Jahren die Welt erobert, wurde inzwischen auch von Starköchen «entdeckt» und wird auch als Edel-Food in den besten Restaurants serviert, in den originellsten Gourmet-Variationen.

Herta Heuwers Küchengeheimnisse

Auf die Currywurst kommt kein Ketchup, sondern eine eigens dafür kreierte Sauce.

Herta Heuwers Küchengeheimnisse

Was den Schweizern die Kalbsbratwurst und der Cervelat, ist für viele Deutsche die Currywurst. Sie ist Magenfüller und Seelentröster zugleich, war einst das «Steak der armen Leute» und ist auch heute noch die Leibspeise von Bergleuten, Arbeitern, LKW-Fahrern und … Berliner Touristen. Sie ist inzwischen schon beinahe zum kulinarischen Kultobjekt avanciert und gehört zum Inventar eines jeden klassischen Imbissstandes, wie Pommes frites und Ketchup.

Doch Ketchup darf auf keinen Fall auf die Wurst: In der Sauce steckt viel mehr, als ihre eintönige Farbe vermuten lässt. Die Berlinerin Herta Heuwer liess 1959 ihre «Spezial-Sosse» vom Deutschen Patent- und Markenamt ganz offiziell unter dem Namen Chillup® patentieren - als Fusion von Chili und Ketchup. Kurz vor ihrem Tod im Jahr 1999 verriet die Currywurst-Erfinderin noch ein Geheimnis: «Beim Braten müssen die Würste senkrecht stehen, damit sie nicht platzen.» Was sie wohl damit gemeint hat?

Patent(iert)er Wurstgenuss

Die Currywurst wird nach dem Braten in mundgerechte Stücke geschnitten.

Patent(iert)er Wurstgenuss

In Berlin gibts zwei Currywurst-Varianten: mit und ohne Darm. Auch in Hamburg und im Ruhrgebiet gibt es regionale Varianten. Wichtig ist: Eine gute Currywurst braucht Zeit. Die Variante ohne Darm - sie besteht aus hellem Brät und wird nicht geräuchert - sollte mindestens 15 Minuten in reichlich Öl, am besten Erdnussöl, gebraten werden. Würste mit Darm hingegen (gepökelt und leicht geräuchert) werden vor dem Braten eingeritzt, damit sie nicht platzen, und in wenig Öl nur kurz bei mittlerer Temperatur gebraten. Erst danach wird die Currywurst in mundgerechte Stücke geschnitten.

Die Sauce sollte Zimmertemperatur haben und nicht über, sondern neben die Wurst gegeben werden, die dadurch schön knackig bleibt. Eine grosszügige Prise Curry über die Sauce streuen - und fertig ist der Nostalgie-Snack für Gross und Klein.

Fazit: «In der Sauce liegt die Würze» - erst eine passende Sauce, mit frischen Zutaten zubereitet, verleiht Imbiss- und Fast-Food Rasse und Klasse.

Wie der Curry zur Wurst kam

Die Gewürzmischung gab der Wurst den Namen: Curry.

Wie der Curry zur Wurst kam

«In der Sauce liegt die Würze»: Herta Heuwer mixte ein Geheimrezept, das sie 1999 leider mit ins Grab nahm. Die Zutaten (Mischverhältnis unbekannt) waren in etwa folgende: Tomatenmark, Wasser, Currypulver, Paprika (edelsüss), Worcestershire-Sauce, Zucker, Salz, Chilipulver. Manche Imbisse bieten heutzutage noch rohe, gehackte Zwiebeln dazu an oder fügen gemahlene Chilischoten (Bestellung: «mit Körnern») hinzu, und Sterne-Köche verfeinern die Sauce auch schon mal mit einem Schuss Weisswein oder Coca-Cola, einer Prise Ingwer, Sojasauce oder Ananas.

Das Wort Curry stammt vom tamilischen Begriff Kari und bedeutet Sauce. Currypulver enthält mindestens zehn verschiedene Gewürze, jeder Koch bereitet seine eigene Mischung zu, die Varianten variieren von Region zu Region, von Küche zu Küche. Der Clou bei der Currywurst ist, dass man am Schluss noch Currypulver über die Wurst streut - eine ungewöhnliche Erfahrung für den Gaumen.

Currywurst-Kultur

Currywurst ist Kult - und auch ein Stück Kultur.

Currywurst-Kultur

Die Currywurst hat Kulturschaffende jeder Couleur inpiriert. Sie wird in Theaterstücken, Filmen und Büchern gewüridigt sowie in einem Lied von Herbert Grönemeyer:

«Gehse inne stadt, wat macht dich da satt: 'ne Currywurst. Kommse vonne Schicht, wat Schönret gibt et nich als wie Currywurst.» (Gehst du in die Stadt, was macht dich da satt: eine Currywurst. Kommst du von der Schicht, etwas Schöneres gibt es nicht als eine Currywurst.)

Wie das Currypulver zur Sauce und somit zur Wurst kam, wird in einer Novelle des Hamburgers Uwe Timm beschrieben, «Die Entdeckung der Currywurst» (1993). Darin geht es um eine Imbissbesitzerin am Grossneumarkt in Hamburg, die beim Stolpern auf der Treppe aus Versehen Currypulver, das sie gerade in der Hand hielt, in die rote Sauce streute.

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Ein Museum für die Currywurst

Auf 1100 Quadratmetern geht es nur um sie: die Currywurst.

Foto: Deutsches Currywurst Museum Berlin

Ein Museum für die Currywurst

800 Millionen Currywürste werden in Deutschland jedes Jahr mit Wonne verspeist. Grund genug, dem kulinarischen Kultobjekt ein eigenes Museum zu widmen.

In Berlin, ganz in der Nähe des Checkpoints Charlie, kann man seit 2009 auf 1100 Quadratmetern eine Erlebnisausstellung mit multimedialen, interaktiven Installationen, geschichtlichen Highlights, Kuriositäten rund um die Currywurst sowie einen Museums-Shop und eine Imbiss-Lounge besuchen, wo man Currywürste in allen Variationen probieren und geniessen kann.

Nähere Informationen zum Deutschen Currywurst Museum Berlin: www.currywurstmuseum.de

Text: Christine Koethe

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