Panettone - mit Liebe gebacken

Panettone - mit Liebe gebacken

Das süsse, luftige Weihnachtsgebäck aus Norditalien erfreut sich auch bei uns grosser Beliebtheit. Ganze Berge des duftenden, fantasievoll verpackten Hefekuchens türmen sich jetzt in den Regalen der Warenhäuser. So märchenhaft sein Duft - so sagenumwoben ist auch seine Entstehungsgeschichte.

Woher kommt Panettone?

Der kuppelförmige Hefekuchen hat seinen Ursprung in der Metropole Norditaliens. Zu einem vorweihnachtlichen Einkaufsbummel in Mailand gehört einfach dazu, dass man neben all den schönen Geschenken für die Lieben auch noch einen Panettone mit nach Hause bringt. Aber auch im Tessin gibt es Bäcker, die schon seit Generationen Panettoni herstellen.

Das süsse Brot ist zudem das am meisten verbreitete Weihnachtsgebäck in ganz Italien, und auch nördlich der Alpen wird es gerne gegessen.

Im Panettone sind alle Herrlichkeiten drin, die der Vorratsschrank einer Bäckerei hergibt: Butter, Zucker, Eier, kandierte Früchte, Zitronat, Sultaninen und natürliche Aromen. Denn der Panettone ist streng genommen ein Brot, kein Kuchen, er ist also das Produkt eines Bäckers, nicht das eines Konditors.

Was ist ein Panettone?

Was sich so luftig und leicht präsentiert, ist das Resultat eines langwierigen Herstellungsprozesses: Vom Vorteig bis zum fertigen Panettone dauert es nämlich etwa 36 Stunden. Damit sich seine Kuppelform schön entwickeln kann, setzt man zuerst einen Sauerteig an, die «madre» oder «mamma» (Mutter). Diese natürliche Hefe kann man - ähnlich einer Essigmutter - immer wieder verwenden, indem man ihr die verbrauchte Menge in Form von Mehl und Wasser wieder zufügt.

Diesen Grundteig lässt man, je nach Rezept, bis zu zwölf Stunden lang aufgehen. Danach werden Butter, Zucker, Eier, Mehl, Wasser, Salz zugefügt und zusammengeknetet - und wieder gehts für weitere Stunden ab in den Gärschrank.

Am nächsten Tag werden weitere Zutaten daruntergemischt, und die Masse wird in die Papierformen abgefüllt. So lässt man den Panettone nochmals sechs Stunden aufgehen, bis er schliesslich in den Ofen kommt.

Damit die schöne Kuppelform nach dem Backen nicht in sich zusammenfällt und die relativ schweren Sultaninen und kandierten Früchte nicht auf den Boden des Gebäcks sinken, hängt man die Panettoni kopfüber zum Auskühlen auf und lässt sie danach nochmals für mehrere Stunden ruhen. Erst dann sind sie bereit zum Verzehr.

Nur dank dieser sorgfältigen und zeitintensiven Zubereitungsmethode erhalten die Panettoni ihre luftige Konsistenz. Es wird deshalb davon abgeraten, einen Panettone selber zu backen, zu gross kann die Enttäuschung über das unbefriedigende Resultat sein.

Mehr zu den Themen Hefeteig und Sauerteig kannst du in unseren Magazinbeiträgen nachlesen:

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, z.B. ein feiner Panettone.
Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, z.B. ein feiner Panettone.

Was bedeutet Panettone?

Eigentlich heisst «Panettone» ja nichts anderes als grosses Brot, aber es sind mehrere Legenden zu seiner Namensbildung bekannt. Die schönste Geschichte zuerst:

Wir schreiben das Jahr 1490, Ughetto, ein junger Ritter aus Mailand, liebte die Bäckerstochter Adalgisa. Weil die Standesunterschiede eine Heirat nicht gestatteten, liess sich der verliebte Ughetto bei Adalgisas Vater Antonio kurzerhand als Bäckergehilfe anstellen. Aber Antonios Geschäfte liefen immer schlechter. So verschaffte Ughetto dem Bäcker schliesslich heimlich kostbare Zutaten wie Butter, Zucker, gedörrte Trauben und kandierte Früchte. Mit diesen edlen Beigaben kreierte Antonio ein aussergewöhnlich süsses, luftiges Brot und kam so bald zu Wohlstand und Ansehen - einer Heirat der beiden jungen Verliebten stand nun nichts mehr im Wege. Das wunderbare Gebäck nannte man fortan «pane di Toni» (Brot des Toni), daraus sei schliesslich der Name Panettone entstanden.

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Wer hat den Panettone erfunden?

Auch die zweite Legende spielt in Mailand: An einem Weihnachtsfest am Hof des Herzogs Ludovico «il Moro» Sforza (15. Jh.) wurde der Dessertkuchen im Ofen vergessen, und er verkohlte zur Ungeniessbarkeit. Der Koch war am Boden zerstört und wusste sich nicht zu helfen, bis ein Küchengehilfe namens Toni ein paar Teigreste zum Vorschein brachte, die er sich für sein eigenes Mahl nach der Arbeit zurückbehalten hatte. Aus diesem Teig, angereichert mit kandierten Früchten, Eiern, Zucker und Sultaninen, improvisierte der Koch in seiner Verzweiflung ein Gebäck, das der adligen Gesellschaft schliesslich vorzüglich mundete: Eine weitere Legende zur Entstehung des «pane di Toni» war geboren.

Wie kamen die Sultaninen in den Panettone?

Die dritte Geschichte erzählt von der Nonne Ughetta, die zu Weihnachten alle Zutaten zusammensuchte, die ihre karge Klosterküche hergab, um ihren Mitschwestern wenigstens an diesem Festtag eine süsse kleine Freude zu bereiten. Sie fand sogar kandierte Früchte und ein paar Sultaninen! Um das Weihnachtsbrot zu segnen, schnitt sie den Teig vor dem Backen kreuzweise ein. Die Schwestern waren so begeistert von dem Weihnachtsbrot, dass sich die Kunde davon bald in ganz Mailand verbreitete und die Menschen zum Kloster kamen, um gegen eine Spende ein Stück von dem Brot nach Hause nehmen zu können. Das Kloster war von diesem Tag an nicht mehr arm.

Mit «ughett» bezeichnet man im Mailänder Dialekt übrigens auch getrocknete Weintrauben, sicher ein Grund dafür, weshalb der Begriff als Name in den erwähnten Panettone-Legenden auftaucht.

Getrocknete Weintrauben heissen im Mailänder Dialekt «ughett».
Getrocknete Weintrauben heissen im Mailänder Dialekt «ughett».

Wird nur in Italien Panettone hergestellt?

Alle diese Legenden spielen in Mailand, aber auch das Tessin hat eine lange Panettone-Tradition. Der Tessiner Bäcker-Konditorenmeister-Verband hat sogar ein Qualitätslabel für Tessiner Panettoni (ital.) kreiert, das für erstklassige, natürliche Zutaten und für die traditionelle Herstellung in den Bäckereien bürgt. Der Tessiner Panettone darf weder Konservierungs- oder Farbstoffstoffe noch anderes Fett ausser Butter enthalten. Als Treibmittel muss natürliche Hefe, die «madre», verwendet werden. Die hohe Qualität hat zwar ihren Preis, garantiert aber erstklassigen Genuss.

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Panettone, Pandoro, Pandolce, Panforte: Was ist der Unterschied?

Nicht nur in Mailand, sondern auch in anderen italienischen Städten werden traditionelle Weihnachtskuchen oder -brote gebacken:

  • Pandoro
    Der Pandoro (Pan d’oro = goldenes Brot) ist mit dem Panettone eng verwandt, hat seinen Ursprung aber in Verona. Er wird ebenfalls aus einem Hefeteig zubereitet, enthält aber weder Sultaninen noch kandierte Früchte. Und er wird auch nicht in einem Ring, sondern in einer achteckigen, sternförmigen Backform gebacken, die ihm seine typische gezackte Kuppelform verleiht.
  • Pandolce
    Das Hefeteiggebäck Pandolce (= Süssbrot) kommt dagegen aus Genua. Im Gegensatz zu Panettone und Pandoro ist es rund und flach und enthält Pi­nien­ker­ne, Pis­ta­zien, Sul­ta­ni­nen und kan­dier­te Früch­te.
  • Panforte
    Der aromatische Gewürzkuchen aus Siena ist kein Hefegebäck. Der flache, runde Kuchen enthält kandierte Früchte, Nüsse, Zimt, Pfeffer und Nelken und wird heute das ganze Jahr über gebacken und gegessen. Die vielfältigen Aromen im Panforte harmonieren auch herrlich mit Käse und Wein.
  • Torrone
    Die Piemonteser Spezialität Torrone besteht aus Eiweiss, Honig, Zucker und Haselnüssen; davon gibt es eine harte und eine weiche Variante. Torrone am Stück ist in italienischen Spezialitätenläden erhältlich. Torroncini morbidi, kleine weiche Torrone-Stücke von Fine Food, sind in grösseren Coop Supermärkten erhältlich.
Torrone (links) und Panforte: Im Unterschied zu Panettone, Pandoro und Pandolce handelt es sich dabei nicht um Hefegebäcke.
Torrone (links) und Panforte: Im Unterschied zu Panettone, Pandoro und Pandolce handelt es sich dabei nicht um Hefegebäcke.

Rezept für selbstgemachten Panettone und Pandoro von Betty Bossi (einfache Variante)

Einen Panettone nach traditionellem Rezept und nach allen Regeln der Kunst herzustellen ist sehr zeitaufwändig (siehe oben). Mit dem vereinfachten Rezept von Betty Bossi erzielen Sie aber mit wenig Aufwand einen sehr feinen «Panettone», von dem Sie mit Stolz sagen können: «Mit Liebe selbst gebacken!»

Panettone, Panforte, Torrone: Weitere Rezepte

Wie kann ich eine Panettone-Form selber machen?

So kannst du einen Panettone-Ring ganz einfach selber herstellen: Aus dünnem Karton einen Streifen (ca. 11x55 cm) ausschneiden, in Alufolie einpacken, zu einem Ring (ca. 16 cm Ø ) schliessen, mit Büroklammern fixieren, Innenseite fetten, auf ein rundes Backblech stellen.

Mit einfachen Mitteln kann man sich eine Panettone-Form selber basteln.
Mit einfachen Mitteln kann man sich eine Panettone-Form selber basteln.

Welches Getränk passt zum Panettone?

Zum Panettone passen Dessertwein, Kaffee, Tee, Moscato d’Asti oder Spumante.

Wie lange ist Panettone haltbar?

Panettone ist sehr lange haltbar. Bei gekauftem Panettone wird als Mindesthaltbarkeitsdatum oft bis zu sechs Wochen angegeben.

Panettone vs. Colomba: Was ist der Unterschied?

Ganz einfach: Panettone wird traditionellerweise an Weihnachten gegessen, Colomba dagegen an Ostern. Und wie der Name Colomba (ital. für Taube) bereits verrät, wird das Hefeteiggebäck anders geformt: nämlich zu einer Taube.

Statt Sultaninen werden Orangeat und Orangenblütenwasser für die Colomba di Pasqua verwendet. Zudem wird sie am Schluss mit Mandeln und Hagel- oder Puderzucker verziert.

Die Colomba wird in Italien an Ostern gegessen.
Die Colomba wird in Italien an Ostern gegessen.

Lust auf noch mehr festliche Genüsse?

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Aktualisiert: 20. November 2020

Text: Gina Graber | Daniela Rinderknecht