Beikost - die erste Begegnung mit dem Essen

Beikost - die erste Begegnung mit dem Essen

Babys sind sehr individuell in der Entwicklung, auch was das Essen anbelangt. Während die einen jetzt schon aufgeregt mitschmatzen, wenn Sie am Essen sind, zeigen die anderen noch gar kein Interesse an dieser Erfahrung. Es gibt verschiedene Herangehensweisen, und alle haben Vor- und Nachteile. Lassen Sie sich inspirieren, und wählen Sie, was für beide am besten passt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Wie können Sie sicher sein, dass der Zeitpunkt stimmt, um Junior das erste Mal probieren zu lassen? Die WHO empfiehlt, sechs Monate voll zu stillen. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt an, frühestens im Alter von vier Monaten, also zu Beginn des fünften Monats, spätestens aber mit vollendeten sechs Monaten mit der Beikost zu beginnen. Folgende Punkte lassen Sie erkennen, ob Ihr Kind bereit ist für den ersten Kontakt mit dem Essen.
 

  • Ihr Kind kann schon aufrecht sitzen und sein Köpfchen halten
  • Ihr Kind signalisiert Interesse an Ihrem Essen, indem es zum Beispiel jeden Happen mit seinen Augen bis zu Ihrem Mund verfolgt oder danach greifen will
  • Ihr Kind nimmt von sich aus selbst Dinge in den Mund


Wenn Sie Ihrem Baby Essen anbieten und es den Kopf wegdreht oder weint, bieten Sie ihm Beikost zu einem späteren Zeitpunkt an. Es ist noch nicht so weit.

Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE)

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) hat eine übersichtliche Tabelle mit Empfehlungen zur Einführung der Beikost erstellt.

PDF: Übersicht Einführung der Beikost

© Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE, Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie SGP, 2011
© Schweizerische Gesellschaft für Ernährung SGE, Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie SGP, 2011

Die Klassiker: Obst- und Gemüsebrei

Als Eltern ist man sehr aufgeregt, denn Essenlernen ist ein neuer Lebensabschnitt für Sie und Ihr Baby. Zur Einführung der Beikost eignen sich verschiedene Herangehensweisen. Es gibt nicht das beste Lebensmittel für den ersten Happen. Einfach herzustellen ist ein fein pürierter Brei aus süssem, gekochtem Gemüse wie zum Beispiel Rüebli, Kartoffel, Rande, Pastinake, Kürbis, Fenchel oder Zucchetti. Ebenso gut passt ein roher oder gekochter Früchtebrei aus Apfel, Birne, Banane oder Mango.

Bleiben Sie für ein paar Tage beim gleichen Nahrungsmittel, wenn Ihr Baby daran Gefallen gefunden hat. Es sucht noch keine Abwechslung. Im Gegenteil: Damit ist es schnell überfordert.

Wie viel ein Kind zu Beginn isst, ist sehr unterschiedlich. Während die einen eine volle Portion wegputzen, nehmen die anderen nur ein paar kleine Kostproben. Sie brauchen mehr Zeit, um sich der neuen Geschmackswelt anzunähern. Lassen Sie das Kind freudvoll entdecken, und unterbrechen Sie die Mahlzeit, wenn es kein Interesse mehr zeigt. Die Milch wird bei den meisten für die kommenden ein bis zwei Monte noch das Hauptnahrungsmittel bleiben.

Rezepte:

Ein Gemüse-Kartoffel-Brei eignet sich gut für den Start.
Ein Gemüse-Kartoffel-Brei eignet sich gut für den Start.

Die BLW-Methode (Baby-led weaning method)

Bei der BLW-Methode ist die Herangehensweise etwas anders als bei der hierzulande klassischen Variante mit dem Kartoffel-Rüebli-Brei. Der Name BLW – baby-led weaning bedeutet so viel wie «vom Baby gesteuerte Entwöhnung». Die Idee dahinter ist, dass das Baby nach eigenem Bedürfnis isst und auch von sich aus aufhört, Muttermilch zu trinken. Die BLW-Methode klingt modern und aussergewöhnlich, ist aber im Grunde genommen nichts anderes als das, was über Jahrtausende auf der ganzen Welt praktiziert wurde. Es isst mit der Familie mit, bekommt Nahrungsmittel, nach denen es selber greifen (Fingerfood) und so selber bestimmen kann, was und wie schnell es essen möchte. Neben dem Essen wird weiterhin nach Bedarf gestillt, oder es bekommt den Schoppen.

Die meisten Kinder entwickeln im Alter von fünf bis sechs Monaten die Bereitschaft, selber zu essen.

Stäbchen können in der Babyfaust gut gehalten werden.
Stäbchen können in der Babyfaust gut gehalten werden.

Fingerfood oder Brei oder beides?

Welche für Sie die richtige Herangehensweise ist, können Sie nur selbst herausfinden und ist natürlich abhängig von den Gewohnheiten und Eigenheiten Ihres kleinen Lieblings. Es gibt Babys, die haben schon von ganz klein auf einen natürlichen Rhythmus, schlafen regelmässig und haben auch immer zur selben Zeit Hunger. Wenn Sie bis anhin einen klaren Rhythmus hatten, werden Sie wahrscheinlich auch leicht einen Brei einführen können. Wenn Sie bis jetzt nach Bedarf gestillt haben und ein sehr selbstbestimmtes Baby haben, dann ist dieses wahrscheinlich zufriedener, wenn es nach seinem Gusto die Welt der Nahrungsmittel entdecken kann.

Der Brei hat den Vorteil, dass Sie eine Ahnung davon haben, was und wie viel Ihr Kind gegessen hat, und Sie weniger davon vom Boden aufputzen müssen. Fingerfood hat den Vorteil, dass das Baby ganz in seinem Tempo das Essen erfahren kann. Die Varietät von Geschmack, Geruch, Konsistenz und Farbe ist grösser, und das Baby kann essen, was es mag, und weglassen, was es nicht mag.

Die gute Nachricht: Ihr neues Familienmitglied wird mit jeder Variante gedeihen. Wählen Sie das, was für Sie und Ihr Kind stimmig ist, versuchen Sie es, und bleiben Sie flexibel.