Immunsystem bei Kindern stärken: 7 Tipps für den Alltag
Ein kleines Kind vor Krankheitserregern zu schützen, ist schwierig. Eltern können aber seine Abwehrkräfte mit einfachen Massnahmen stärken. Wir geben dir Tipps, worauf du bei deinem Kind achten solltest und welche Lebensmittel mit besonderen Inhaltsstoffen das Immunsystem unterstützen.
Anna-Katharina
Ernährungsfachfrau
Warum sind Kinder so oft erkältet?
Husten, Schnupfen und Fieber sind typische Erkältungskrankheiten, von denen Kinder häufig betroffen sind. Gerade bei kleinen Kindern ist die Gefahr gross, sich in der Kita, im Kindergarten oder in der Schule anzustecken.
Bis zu zwölf fieberhafte Infekte machen Kleinkinder pro Jahr durch. Das hat seinen Grund. Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig ausgereift und nicht so gut trainiert wie bei uns Erwachsenen. Man kann aber auch sagen, dass jeder Infekt im Kindesalter gewissermassen eine Art Training für das Immunsystem ist. Eine stressige Situation für Eltern, aber ein wichtiger Lernprozess für das Immunsystem und die Gesundheit des Kindes in den ersten Lebensjahren.
Das Immunsystem muss trainiert werden
Bereits bei der Geburt verfügen Kinder über eine angeborene Immunabwehr. Dazu gehören unter anderem natürliche Killerzellen (NK-Zellen), die bei der Abwehr von Krankheitserregern eine wichtige Rolle spielen. Während der kindlichen Entwicklung kommt das Immunsystem mit einer Vielzahl an Erregern wie Viren, Bakterien und Pilzen in Kontakt und lernt, harmlose von gefährlichen zu unterscheiden.
Meist gelingt es den unspezifischen Abwehrzellen jedoch nicht, alle Keime zu töten und deren Ausbreitung im Körper zu verhindern. Das Immunsystem beginnt sich in den ersten Lebensjahren aufzubauen und gewinnt Kraft mit jedem Kontakt mit einem potenziellen Krankheitserreger oder mit Antigenen.
Damit sich das Immunsystem gut entwickeln kann, ist der natürliche Kontakt mit harmlosen Keimen aus der Umwelt wichtig. Trifft das Immunsystem auf einen Krankheitserreger, kann es lernen, diesen wiederzuerkennen und passende Antikörper zu bilden. So kann es bei einem erneuten Kontakt schneller reagieren und eine Erkrankung verhindern oder abschwächen.
7 starke Tipps gegen Viren und Bakterien
1. Abwechslungsreich essen – die Basis für starke Abwehrkräfte
Eine ausgewogene Ernährung mit frischem Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Milch und Milchprodukten sowie moderate Mengen an Fleisch und Fisch ist die Basis für ein gesundes Leben. Abgesehen von den Nährstoffen, Proteine, Fette und Kohlenhydrate, ist auf eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen und Vitaminen zu achten. Diese natürlichen Powerfoods stärken das Immunsystem.
2. Auf Vitamine und Mineralstoffe achten
Vitamin C
In Bezug auf das Immunsystem ist Vitamin C, auch Ascorbinsäure genannt, wohl das bekannteste Vitamin. Es schützt die Zellen vor freien Radikalen, die beispielsweise durch Stress oder eine ungesunde Ernährung entstehen. Wichtig ist, genügend Vitamin-C zuzuführen, um das «normale» Funktionieren des Immunsystems zu unterstützen. Präventiv eine höhere Menge Vitamin C zu konsumieren, wie zum Beispiel durch Nahrungsergänzungsmittel, um Erkältungen vorzubeugen, wird jedoch nicht empfohlen.
Je nach Alter des Kindes liegt der tägliche Vitamin-C-Bedarf zwischen 20 und 85 Milligramm. 100 mg Vitamin C sind zum Beispiel enthalten in 90 g Broccoli oder 190 g Orange. Übrigens: Vitamin C ist hitzeempfindlich und wasserlöslich. Deshalb Gemüse und Früchte schonend und nur kurz garen (wenn überhaupt), damit möglichst viel davon erhalten bleibt. Weitere natürliche Quellen sind schwarze Johannisbeeren, rote Peperoni oder Kiwi.
Vitamin D
Die Empfehlung lautet, in den Wintermonaten Vitamin D in Form eines Nahrungsergänzungsmittels zu sich zu nehmen und ansonsten auf eine ausgewogene Ernährung mit natürlichen Vitamin-D-Quellen zu achten. Vor allem in sonnenarmen Monaten ist der Bedarf für Kinder sicherzustellen. Ob dein Kind genügend Vitamin D bekommt und wie du die Aufnahme am besten förderst, besprichst du am besten mit deinem Kinderarzt.
Natürliche Quellen sind Fischleberöle und Salzwasserfische (Sardine, Hering, Lachs und Makrele). Eier, Fleisch, Milch und Butter enthalten ebenfalls geringe Mengen.
Zink
Zink trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei und spielt eine wichtige Rolle bei der Wundheilung und der Abwehrkräfte. Gute Zinklieferanten sind Fleisch, Käse, Haferflocken, Hülsenfrüchte und Kürbiskerne.
Eisen
Eisen ist nicht nur wichtig für die Blutbildung und den Sauerstofftransport, sondern auch für ein gut funktionierendes Immunsystem. Es steckt unter anderem in Fleisch, Linsen, Bohnen und Vollkornprodukten. Tipp: Vitamin-C-reiche Lebensmittel verbessern die Aufnahme von pflanzlichem Eisen.
Vitamin A
Vitamin A trägt zur Erhaltung normaler Haut und Schleimhäute bei, die eine wichtige Schutzbarriere gegen Krankheitserreger bilden. Besonders reich an Beta-Carotin, einer Vorstufe von Vitamin A, sind Rüebli, Kürbis und Süsskartoffeln. Etwas Fett bei der Zubereitung verbessert die Aufnahme.
3. Auch der Darm spielt eine Rolle
Rund 70 Prozent der Immunzellen befinden sich im Darm beziehungsweise im darmassoziierten Immunsystem. Deshalb spielt die Darmgesundheit auch für die Abwehrkräfte eine wichtige Rolle. Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen haben können. Sie kommen unter anderem in bestimmten fermentierten Lebensmitteln vor. Ihre Wirkung auf das Immunsystem wird intensiv erforscht, allerdings sind weitere Studien nötig.
Auch Ballaststoffe sind wichtig für eine gesunde Darmflora. Sie dienen nützlichen Darmbakterien als Nahrung und fördern so ein vielfältiges Darmmikrobiom. Besonders gute Ballaststofflieferanten sind Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Früchte, Nüsse und Samen. Eine abwechslungsreiche Ernährung unterstützt damit auch die Darmgesundheit von Kindern.
4. Genügend trinken – am besten Wasser oder Tee
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hat viele gesundheitliche Vorteile und ist unter anderem auch für die normale Funktion des kindlichen Immunsystems wichtig. Fünfjährige sollten ca. 800 ml und Zehnjährige rund 1 Liter Flüssigkeit am Tag trinken.
Besonders in der kalten Jahreszeit, wenn die Innenräume geheizt werden, trocknen die Schleimhäute schneller aus und sind anfälliger, und die Viren finden einen guten Nährboden. Biete deinem Kind über den Tag verteilt Hahnenwasser, ungesüssten Eistee oder verdünnte Fruchtsäfte wie Schorle an, aber auch warme Getränke, wie Kräuter- oder Früchtetee (ungesüsst). Kamille und Lindenblüte sind schweisstreibend und helfen bei Fieber, es zu senken.
5. Bewegung und frische Luft
Dein Kind sollte sich bei jedem Wetter draussen austoben. Die passende Kleidung schützt vor Kälte und Nässe. Regelmässige Aktivitäten an der kalten, frischen Luft unterstützen die Entwicklung der körpereigenen Abwehrkräfte. Durch die Kältereize wird die Durchblutung in Schwung gebracht und auf diese Weise das Immunsystem stimuliert. Der Aufenthalt im Freien gibt dem Körper durch die Sonnenstrahlung die Möglichkeit, wichtiges Vitamin D zu bilden, das das Immunsystem positiv beeinflusst.
6. Ausreichend Schlaf und Erholung
Ebenso wichtig wie eine gesunde Ernährung ist ein erholsamer Schlaf. Während des Schlafens sammelt der Körper neue Kraft und stärkt sein Immunsystem. Die Schlafdauer richtet sich sowohl nach dem Alter der Kinder als auch nach dem individuellen Schlafbedarf. Im Alter zwischen einem und zwei Jahren sollte ein Kind idealerweise elf bis zwölf Stunden Schlaf pro Nacht bekommen. Der Raum sollte dabei nicht wärmer als 18 Grad und immer gut gelüftet sein.
7. Infektionen vorbeugen – mit einfachen Gewohnheiten
Auch einfache Alltagsgewohnheiten können viel bewirken: regelmässiges Händewaschen, gründliches Lüften und Husten oder Niesen in die Armbeuge helfen, die Verbreitung von Krankheitserregern zu reduzieren. So wird Infektionsschutz ganz selbstverständlich Teil des Familienalltags.