In der Werkstatt des Tüftlers
Im Rahmen des Kinofilms und passend zum Jubiläumsjahr 2026 öffnen wir die Türen einen Spalt weiter. Ein Blick hinter die Kulissen von Betty Bossi – mit Geschichten von Menschen, die sonst meist im Hintergrund bleiben.
Entdecke Stimmen, Wege und Arbeitsweisen bei Betty Bossi – eingefangen von der Schweizer Illustrierten anlässlich dem Kinofilm "Hallo Betty" und dem Jubiläum von Betty Bossi. Die Originaltexte haben wir behutsam gekürzt und angepasst. Jetzt, im Jubiläumsjahr 2026, rücken wir damit einzelne Persönlichkeiten ins Zentrum. Einer davon: Stefan Staub. Produktentwickler, Tüftler, Beobachter – einer, der genau hinschaut, hinterfragt… und aus Ideen Dinge macht, die im Alltag funktionieren.
Inspiration findet Stefan Staub überall – auf Reisen, in Küchenläden oder manchmal ganz unerwartet im Alltag. Ein Mechanismus, ein Detail, ein cleveres Utensil: Oft reicht ein kleiner Impuls, aus dem eine neue Idee entsteht. Besonders prägend war für ihn eine Scoutingreise nach Tokio, ins Quartier Kappabashi. Mit zwei Koffern voller Küchen-Gadgets kehrte das Team zurück – und mit noch mehr Fragen. Was funktioniert wirklich? Was passt zum Schweizer Alltag? Vieles wird getestet, weiterentwickelt oder auch wieder verworfen.
4000 Ideen pro Jahr
Bei Betty Bossi entstehen jedes Jahr bis zu 4000 Ideen. Nur etwa 20 davon schaffen es als fertige Produkte in den Onlineshop oder vereinzelt in die Läden – also weniger als ein Prozent. Darunter: Ausstechformen, Hobel oder Klassiker wie der Spätzli-Blitz. Von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt vergehen im Schnitt rund zweieinhalb Jahre. Skizzen, 3D-Prototypen, Tests – und manchmal auch der Entscheid, ein Projekt wieder loszulassen. Entscheidend bleibt: Was brauchen unsere Kundinnen und Kunden wirklich? Panels mit rund 500 Personen helfen uns dabei. Sie testen, geben Feedback, schicken Bilder aus ihrem Alltag. Und zeigen uns ehrlich, wo etwas noch nicht funktioniert. Genau dort setzen wir an – und machen Produkte Schritt für Schritt einfacher.
Der neue Spätzli-Blitz
Stefan Staub hat sich im letzten Jahr intensiv mit der Weiterentwicklung des Spätzli-Blitzes beschäftigt – einem echten Klassiker, der seit 1985 in vielen Küchen im Einsatz ist. Für ihn war es etwas Besonderes, an diesem ikonischen Produkt zu arbeiten. Die neue, vierte Version bringt praktische Verbesserungen: austauschbare Scheiben für eine einfachere Reinigung und die Möglichkeit, auch grössere Zutaten wie Speck- oder Schinkenwürfel zu verarbeiten. So wird aus einer Beilage fast ein Hauptgericht – ein schönes Beispiel dafür, wie viel Potenzial in bewährten Klassikern steckt.
Das Entwicklungsteam ist klein und bewusst interdisziplinär aufgestellt: Technik, Kulinarik und Design greifen ineinander. Stefan bringt den technischen Hintergrund mit, während im Team auch Kochausbildung und Gestaltungskompetenz vertreten sind – eine Mischung, die neue Lösungen erst möglich macht.
Sein eigener Weg führte ihn über den Maschinenbau und eine selbstständige Tätigkeit in die Produktentwicklung. Ein Projekt für einen Lawinenrucksack legte den Grundstein dafür. Nach mehreren Jahren Selbstständigkeit – und mit der Unsicherheit während Corona – entschied er sich für den Wechsel zu Betty Bossi. Eine Entscheidung, die für ihn bis heute stimmig ist: die Verbindung von Technik, Kreativität und Kulinarik.
Geprägt hat ihn auch seine Kindheit auf einem Bauernhof bei Bern. Der Bezug zu Lebensmitteln, zu Herkunft und Verarbeitung, ist geblieben. Genau dieses Verständnis fliesst heute in seine Arbeit ein: Produkte zu entwickeln, die helfen, bewusst zu kochen – einfacher, schneller und mit einem klaren Blick darauf, was im eigenen Essen steckt.